Schwimmen im »Hupe«
Projektgenossenschaft will das Stadtbad Lichtenberg wieder eröffnen
Sie sind bereit zu kämpfen. Das haben die beiden ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder der Projektgenossenschaft Stadtbad Lichtenberg, Jürgen Hofmann und Michael Metze, am Dienstagvormittag noch einmal bekräftigt. »Wir wollen den seit mehr als 22 Jahren leerstehenden Gebäudekomplex an der Hubertusstraße wieder seiner eigentlichen Nutzung zuführen.« Auch Christina Emmrich (LINKE), Ex-Bürgermeisterin und jetzt Bevollmächtigte der Genossenschaft, sagt: »Wir beteiligen uns mit einem ausgeklügelten Konzept am Verfahren, das der Liegenschaftsfonds demnächst ausschreibt.«
Die Stimmung im Foyer des 1928 eröffneten Hauses ist beim Pressegespräch aufgeheizt - und das bei ungemütlich kühlen Raumtemperaturen. Denn die Mitglieder der Ende 2013 gegründeten Genossenschaft sind erbost, über das, was sie kürzlich auf einer öffentlichen Veranstaltung über das gerade fertiggestellte Denkmalgutachten, das der Liegenschaftsfonds zum Stadtbad anfertigen ließ, erfuhren. »Als Fazit der Studie wurde mitgeteilt, dass die künftige Nutzung als Bad dem alten Gebäude den größtmöglichen Schaden zufügen würde«, berichtet Jürgen Hofmann.
Für die derzeit 13 Mitglieder der Projektgenossenschaft, dazu gehören unter anderem ein Bausachverständiger und die letzte Badleiterin, steht dagegen fest: Wenn das Bad künftig wieder als solches genutzt wird, sind die Eingriffe am minimalsten.
Im Nutzungskonzept, das die Genossenschaft gerade erarbeitet, wird das deutlich. So sollen beide Hallen künftig wieder zum Schwimmen dienen: »Die große könnte Schulen und Vereinen zur Verfügung stehen, die kleine beispielsweise für Babys und Behinderte hergerichtet werden«, sagt Jürgen Hofmann. Damit würde auch wieder ein Schwerpunkt auf der medizinischen Nutzung liegen, so wie das schon früher an diesem Ort praktiziert wurde. Außerdem könnten in dem Komplex mit rund 3500 Quadratmetern Nutzfläche Wellness- und Nachbarschaftsangebote entstehen, Arztpraxen, Läden, Dienstleister und ein Café einziehen.
»Unser Bewirtschaftungskonzept wird nicht auf Zuwendungen der öffentlichen Hand ausgerichtet«, so Hofmann. Die Genossenschaft möchte das Kleinod selbst betreiben. Gerechnet wird mit einem Kostenaufwand von rund 25 bis 30 Millionen Euro - für den Kauf und die Sanierung. Das Geld dafür wollen die Optimisten über verschiedene Förderprogramme aber auch mit ortsansässigen Firmen aufbringen. Auch mit der Lottostiftung gebe es bereits Gespräche.
Wie Irina Dähne, Sprecherin des Liegenschaftsfonds auf Anfrage mitteilt, beginnt voraussichtlich im Herbst die Vermarktung des Hubertusbades auf dem Wege eines Konzeptverfahrens. Der bereits vorliegende Denkmalpflege- und Entwicklungsplan habe empfehlenden Charakter, der Spielräume biete. Noch sei der Abstimmungsprozess mit Bezirk und Denkmalpflegern nicht abgeschlossen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft
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