Geflohen, gerettet, gestrandet
2004 musste die »Cap Anamur« 37 Flüchtlinge retten - heute sind es Tausende
Berlin. Vor zehn Jahren, am 20. Juni 2004, nahm die »Cap Anamur« 37 Flüchtlinge an Bord, die mit ihrem Schlauchboot auf dem Mittelmeer zwischen Libyen und der italienischen Insel Lampedusa in Seenot geraten waren. Dafür wurde später dem Kapitän und zwei Mitstreitern in Italien der Prozess gemacht.
Mittelmeer, Seenot und Lampedusa - diese Begriffe rückten damals durch die Rettungsaktion des Schiffs der Hilfsorganisation Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte zum ersten Mal in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit. Heute ist vor allem Lampedusa zum Synonym für die Flucht übers Meer, Tausende auf dem Weg Umgekommene, die unwürdige Unterbringung von Geflüchteten und eine unmenschliche Asylpolitik der Europäischen Union geworden. Aber auch für den Kampf von Geflüchteten in der Bundesrepublik: für ihre Rechte und die Änderung der deutschen Asylgesetzgebung. Doch bisher setzen sowohl Bundesregierung als auch EU auf Abschottung und Abschiebung statt auf eine Verbesserung der Umstände.
Eine Veränderung der europäischen Aufnahmepraxis fordern auch Hilfsorganisationen immer wieder. Am Mittwoch schlug etwa die katholische Hilfsorganisation Misereor Flüchtlingsquoten innerhalb der EU vor. »Je nach Leistungsfähigkeit und nach den Möglichkeiten der EU-Länder müssen Quoten festgelegt werden, auf die sich alle verständigen«, erklärte Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon mit Blick auf den UN-Weltflüchtlingstag am 20. Juni. Zugleich bezeichnete er die weltweite Flüchtlingsproblematik als »eine der größten zivilisatorischen und humanitären Herausforderungen unserer Zeit«. Nötig sei daher eine Wende in der EU-Flüchtlingspolitik. »Denn trotz noch so hoher Zäune werden die Menschen weiter versuchen zu fliehen und dabei ihr Leben riskieren.« nd/epd
Weiterlesen:
»Heute nicht mehr«
Wie Flüchtlinge in Hamburg auf ihre Sachbearbeiter warten - und doch nur Wachleute sehen
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.