Alt, aber begehrt: Berliner ZOB

75 000 Stopps im ersten Halbjahr 2014

  • Bernd Kammer
  • Lesedauer: 2 Min.

Kurz nach elf Uhr auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Berlin, gerade ist der Bus aus Hamburg angekommen. »Absolut pünktlich, genau drei Stunden«, freut sich Heike Breitenfeld. Sie muss gleich weiter mit dem Regionalzug nach Bad Belzig. »Wäre ich die komplette Strecke mit der Bahn gefahren, hätte ich zwar ein bis zwei Stunden gespart, aber ein Vielfaches bezahlt.«

Hamburg ab acht Euro, Rostock ab elf, Prag oder Kopenhagen ab dreißig Euro - es ist nachvollziehbar, warum die Fernbusunternehmen der Bahn Kunden abjagen. Dem ZOB beschert das auf seine alten Tage einen ungeahnten Erfolg. 1966 gegenüber dem Funkturm in Betrieb genommen, fristete der größte deutsche Busbahnhof lange Jahre eher ein Schattendasein. Jetzt quillt er vor Bussen und Menschen über: In den vergangenen zwei Jahren ist der Verkehr am größten deutschen Busbahnhof förmlich explodiert. Im ersten Halbjahr 2014 wurden bereits 75 000 An- und Abfahrten gezählt, so viele wie im ganzen Jahr 2012 nicht. »Wir rechnen in diesem Jahr mit bis zu 170 000 Stopps«, sagt Markus Falkner, Sprecher der landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die den Bahnhof über ein Tochterunternehmen betreiben.

Seit sich die Einrichtung eines zweiten Busbahnhofs auf dem Tempelhofer Feld mit dem Volksentscheid erledigt hat, setzt der Berliner Senat auf eine Erweiterung der bestehenden Anlage. Zu den bislang 35 Halteplätzen sollen zehn weitere hinzukommen. Doch das Projekt zieht sich hin, jetzt ist von Baubeginn 2015 die Rede. Inzwischen weichen viele Busgesellschaften auf Haltestellen verteilt über die ganze Stadt aus. Inzwischen gibt es sie am Alex, am Ostbahnhof, an den Flughäfen Tegel und Schönefeld. Die Bahn macht seit Jahresbeginn dem ZOB am Bahnhof Südkreuz mit einer eigenen Fernbusstation Konkurrenz. Verwehrt werden kann den Unternehmen die Einrichtung einer Haltestelle nur, wenn dies die Verkehrssicherheit gefährdet oder es der Straßenzustand nicht zulässt.

Die Bahn kann sich auch vorstellen, den ZOB zu übernehmen. Die BVG will ihn jedoch nicht aufgeben: »Wir haben ihn schließlich aus den roten Zahlen gebracht«, sagt Falkner.

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