Linkspolitiker Vázquez gewinnt in Uruguay
Ex-Staatschef erneut an der Spitze des südamerikanischen Landes / Kandidat des Mitte-Links-Bündnis Frente Amplio erhält 55,5 Prozent
Montevideo. Das kleine südamerikanische Uruguay bleibt von der Linken regiert. Der frühere Staatschef Tabaré Vázquez gewann am Sonntag mit 55,5 Prozent der Stimmen die Stichwahl um das Präsidentenamt und ließ damit seinen konservativen Herausforderer Luis Lacalle Pou deutlich hinter sich. Vázquez, der zwischen 2005 und 2010 schon einmal Präsident in Uruguay war, rief die Nation zur Einheit auf.
Prognosen von drei Instituten auf der Grundlage von Nachwahlbefragungen hatten bereits auf einen Sieg des 74-jährigen Linkspolitikers Vázquez hingedeutet. Später bestätigten die von den Wahlbehörden veröffentlichten Teilergebnisse nach der Auszählung von fast 72 Prozent der abgegebenen Stimmen den Trend: Vázquez vom Mitte-Links-Bündnis Breite Front (Frente Amplio) erhielt 55,5 Prozent der Stimmen, der erst 41 Jahre alte Lacalle Pou von der Nationalen Partei kam auf 44,5 Prozent der Stimmen.
»Ich habe vor einigen Minuten Tabaré Vázquez angerufen und ihm zu seinem legitimen Triumph gratuliert«, sagte Lacalle Pou bereits nach der Veröffentlichung der Prognosen in seiner Wahlkampfzentrale. Der neugewählte Präsident rief vor seinen Anhängern in der Hauptstadt Montevideo zur Einheit des Landes bei drängenden Themen wie Sicherheit, Bildung und Gesundheit auf. »Authentische und dauerhafte« Ergebnisse könnten nur durch »gemeinsame« Anstrengungen erreicht werden, sagte er.
Tausende Menschen strömten am Sonntagabend auf die Straßen der Hauptstadt und schwenkten die Fahne der Linkskoalition und Flaggen ihres Landes. Das Land stehe nun vor »neuen Herausforderungen«, rief Vázquez der Menge zu. Uruguay sei nicht mehr der Staat, der er zwischen 2005 und 2010 gewesen sei. Der Politiker und Onkologe übernimmt den Posten Anfang März kommenden Jahres von seinem Parteifreund José Mujica, der gemäß der Verfassung nicht erneut kandidieren durfte.
Vázquez ist der Sohn einer Arbeiterfamilie und ein Musterbeispiel des sozialen Aufstiegs in den 50er und 60er Jahren. Im Jahr 2005 schaffte er es als erster linker Politiker an die Spitze des Landes. Im jüngsten Wahlkampf konzentrierte er sich vor allem auf die Themen Bildung, Infrastruktur und öffentliche Sicherheit. Als neuer Präsident Uruguays muss er nun auch dafür sorgen, dass sich das Land in einem immer schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld behauptet. AFP/nd
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