Jedem Schüler ein Computer
Argentiniens Regierung will digitale Kluft überbrücken
Das Gebäude des Colegio Nacional Rafael Hernández ist im strengen neoklassischen Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts gehalten. In die Klassenräume hat jedoch das digitale Zeitalter Einzug gehalten. Ein staatliches Programm zur Förderung der sozialen Inklusion hat dafür gesorgt, dass allen Schülern dieser Sekundarschule in der argentinischen Stadt La Plata, etwa 50 Kilometer von Buenos Aires entfernt, Computer zur Verfügung stehen.
Im ersten Jahr gehen die Kinder in den Computerkursen gleich ans Eingemachte: Sie lernen, wie sie selbst einen Kurzfilm produzieren können. In einem der Filme ist zunächst die imposante zentrale Treppe in dem Gebäude zu sehen. Dann folgen Diskussionen über den oftmals schwierigen Übergang von der Grund- zur weiterführenden Schule.
Schwierig, weil die Kinder häufig in eine ganz neue Umgebung kommen und einander nicht kennen. Hier kommen Schüler aus verschiedenen Grundschulen der Gegend zusammen, erklärt die Lehrerin Graciela Fernández Troiano. »Als wir an diese Schule kamen, kannten wir niemanden«, sagt einer der Schüler, Giancarlo Gravang. »Durch das Filmprojekt haben wir uns besser kennengelernt und angefreundet, da wir in Gruppen gearbeitet haben.«
Die Zwölf- und Dreizehnjährigen schossen mit ihren Mobiltelefonen Fotos von Füßen und Treppen und brachten die Bilder auf dem Computer zum Leben. Ermöglicht wurde dieses Experiment durch das Programm »Conectar Igualdad« der Nationalen Behörde für Soziale Sicherung.
Seit 2010 werden landesweit an alle Schüler und Lehrer an weiterführenden Schulen und an pädagogischen Fachkollegs Laptops verteilt. »Man kommt mit den Hausaufgaben besser zurecht und kann vieles im Internet suchen«, sagt die Schülerin Lourdes Alano.
Laut Silvina Gvirtz von »Conectar Igualdad« kam der Anstoß von Präsidentin Cristina Kirchner und ist Teil einer Schulreform von 2006, die den Schulbesuch bis zum 18. Lebensjahr vorschreibt. »Es wird zudem versucht, die digitale Kluft zwischen denjenigen, die Zugang zur Technik haben, und den anderen, denen diese Möglichkeit fehlt, zu verringern. Das oberste Ziel des Projekts ist, soziale Gerechtigkeit zu erreichen und zweitens auch die Qualität der Lehre zu verbessern.« IPS
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