2,86 Meter Höhenunterschied
Die lange Strecke der nd-Herbstwanderung passiert die Kleinmachnower Schleuse
Immer geradeaus am Teltowkanal entlang bis zu Kilometer 8,34. Dort steht die markante Machnower Schleuse, für die 1901 der Grundstein gelegt wurde. Kaiser Wilhelm II. hat sie 1906 eingeweiht. Hier entlang laufen am 20. September jene nd-Leser, die bei der Herbstwanderung die 14 Kilometer lange Strecke wählen und nicht nur den sieben Kilometer langen Weg. Gestartet wird von 8 bis 11 Uhr am Berliner S-Bahnhof Wannsee. Ziel ist das Restaurant »Söhnel Werft« am Teltowkanal, Neue Kreisstraße 50, nahe des Potsdamer Griebnitzsees.
Mit unserem Wanderleiter Gerhard Wagner und seinem Hund Lotta gehe ich die lange Strecke ab. Auf der einen Seite der Brücke an der Kleinmachnower Schleuse wird es auf dem Fußweg eng. Auf der anderen Seite wäre genug Platz. Aber von dort lässt sich nicht beobachten, wie Sportboote und Fahrgastschiffe geschleust werden. Das ist interessant, und deshalb haben sich einige Schaulustige am Brückengeländer versammelt. Passanten müssen sich zwischen ihnen und vorüberfahrenden Radlern hindurchzwängen.
An der Schleuse in Kleinmachnow überwindet die Binnenschifffahrt einen Höhenunterschied von 2,86 Metern. Ein Kapitän lenkt gerade einen mit Containern beladenen Schubverband in die große Nordkammer der Schleuse. Nachdem der Kapitän den Schubverband komplett hineinbugsierte und seine Frau das Schiff am Bug mit einer Leine an einem Poller festmachte, schließt sich knapp hinter dem Heck das Schleusentor. Das war Millimeterarbeit. Die Schaulustigen fesselt aber auch das schicke Auto, das der Kapitän auf dem Schiff mitführt.
Die 82 Meter lange und zwölf Meter breite Nordkammer wurde 1940 hinzugefügt. Die Maßnahme zum Ausbau der Wasserstraße diente der Rüstungsindustrie in Nazideutschland, die unmittelbar vor und während des Zweiten Weltkriegs auf Hochtouren lief. In Berlin-Tempelhof gefertigte Teile für U-Boote sollten via Teltowkanal zu den Werften an der Nordseeküste transportiert werden. Die alten Schleusenkammern von 1906 waren und sind nur zehn Meter breit und 65 beziehungsweise 67 Meter lang. Sie waren so projektiert, dass sie jeweils zwei Finow-Maßkähnen aufnehmen konnten.
Das genügt heutigen Ansprüchen nicht mehr. Die südliche Schleusenkammer ist nicht mehr in Betrieb, die mittlere wird für Sportboote genutzt. Zum Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 17 gehörte deshalb auch der Plan, die Machnower Schleuse für 185 Meter lange Schubverbände auszubauen. Darunter gelitten hätte ein bei den Anwohnern beliebter Grünzug am Ufer. Bürger und Umweltverbände wehrten sich jahrelang gegen den ihrer Ansicht nach unsinnigen Schleusenausbau. Mehrer Politiker unterstützten sie dabei, darunter der damalige Landtagsabgeordnete Jens Klocksin (SPD) und die Abgeordnete Anita Tack (LINKE).
Schließlich sagte das Bundesverkehrsministerium den Ausbau aus Kostengründen ab. Prompt formierte sich ein Bündnis aus Wirtschaft und Gewerkschaften, die nun den Ausbau einforderten - allerdings vergeblich.
Wir kehren der Schleuse Kleinmachnow den Rücken. Am anderen Ufer des Teltow-Kanals geht es nun zurück - fast immer geradeaus, bis zum Ziel der nd-Wanderung, das ungefähr an Kilometer 0,5 des Teltowkanals liegt. Wir begegnen einem Jogger. Den haben wir schon am anderen Ufer getroffen. Er ist wieder in der Gegenrichtung unterwegs.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.