DB fährt Bahnwerk gegen die Wand
Betrieb in Eberswalde soll nun offenbar doch dicht gemacht werden
Schlechte Nachricht für das Bahnausbesserungswerk in Eberswalde: Nach einem Bericht der »Märkischen Oderzeitung« soll nun wirklich der Standort geschlossen werden, dem bereits vor einem Jahr das Aus Ende 2016 angedroht wurde. Bahnchef Rüdiger Grube wolle dies den rund 360 Beschäftigten am Ende der Woche mitteilen, schrieb das Blatt.
»Wenn das so ist, dann wäre das eine Schweinerei«, empörte sich der Betriebsratsvorsitzende Ulf Böhnke am Dienstag. Eigentlich sei vorgesehen, dass sich die Konzernspitze der Deutschen Bahn (DB) am 11. Dezember mit dem Betriebsrat trifft, um über die Zukunft des Werks zu informieren. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) appellierte an die DB-Führung, sich nicht aus der Verantwortung zu stehlen. Noch gibt es keine offizielle Bestätigung für die Meldung. Die DB beteuerte, noch gebe es keine endgültige Entscheidung.
Er hoffe, dass diese Behauptung des Konzerns zutreffe, reagierte Brandenburgs Linksfraktionschef Ralf Christoffers. Allein, die Meldung sei sehr detailliert. Aus der Erfahrung lasse sich schließen, dass an der Darstellung wohl doch etwas dran sei. Wenn das stimmt, sagte Christoffers, so würde dies dem bisherigen Verlauf der Gespräche mit der Deutschen Bahn widersprechen. Die DB hätte dann nicht ehrlich agiert, findet der Politiker.
Bei den Beschäftigten besteht der Wunsch, weiter im Ausbesserungswerk arbeiten zu dürfen, wenn ein anderes Unternehmen dort einsteigt. Zwei Interessenten gibt es. Der DB-Konzern verhandelte. Es könnte aber tatsächlich sein, dass man sich nicht über den Kaufpreis einigte.
Wenn die Bahn jetzt mit einem vermeintlichen Buchwert des Betriebs argumentiere, dann ist dies für SPD-Fraktionschef Klaus Ness kaum nachvollziehbar. Wenn der Konzern nicht verkaufe und das Werk schließe, bekomme er überhaupt nichts, dann wäre der Wert gleich Null. Sei die Bahn mit dem angebotenen Geld nicht einverstanden, dann gehe es ihr offensichtlich bloß darum, sich Konkurrenz vom Halse zu schaffen, erklärte Ness. »Von einem Bundesunternehmen erwarte ich etwas anderes«, betonte er und prophezeite einen Verlust des Ansehens der Deutschen Bahn in Brandenburg. Strukturpolitisch wäre die Schließung für Eberswalde ein »herber Schlag«, meinte Ness, der sich von der jüngsten Entwicklung überrascht zeigte.
Auch Linksfraktionschef Christoffers brachte seine Verwunderung zum Ausdruck. Er sagte: »Eine wirtschaftliche Notwendigkeit der Schließung dieses Werks kann ich nicht erkennen, sonst hätten sich nicht zwei Interessenten gemeldet.« Es gebe ganz offensichtlich einen Markt für die Wartungs- und Ausbesserungsarbeiten und es stehe eine motivierte Belegschaft bereit. Die Absicht, den Betrieb einfach dicht zu machen, sei deshalb nicht nachvollziehbar. Christoffers kündigte an, die LINKE werde die Sache im Verkehrsausschuss des Bundestags zur Sprache bringen. Schließlich seien Mittel des Bundes für das Werk geflossen.
»Jetzt muss weiterhin Druck gemacht werden«, forderte Sebastian Walter, Vizelandeschef der Linkspartei. Walter zufolge handelt der DB-Vorstand »verantwortungslos«, wenn er nicht verkaufen wolle, weil er private Konkurrenz fürchte - also »die Arbeitsplätze allein seinem Profitstreben opfert«. Es könne nicht sein, dass in Frankfurt am Main und in Köln Bahnwerke ausgebaut und neugebaut werden und die Werke im Osten Deutschlands »um ihr Überleben kämpfen müssen«. Seite 9
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.