Arbeitslosenzahl steigt laut Arbeitsagentur im Januar leicht
Bundesagentur für Arbeit: 2,92 Millionen Menschen ohne Arbeitsstelle / LINKE: Tatsächllich mehr als 3,6 Millionen Erwerbslose
Berlin. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg, Frank-Jürgen Weise, zeigte sich zufrieden: Nach Angaben seines Hauses waren im Januar 2016 2,92 Millionen Menschen in Deutschland ohne Arbeitsstelle. Das seien zwar rund 240.000 Menschen mehr als im Dezember 2015 – aber gegenüber dem Vorjahresmonat sei die Zahl um 111.000 Menschen gesunken. Die offizielle Arbeitslosenquote lag damit bei 6,7 Prozent, auch die Zahl der als erwerbstätig Registrierten stieg weiter, sie liegt mittlerweile bei rund 43,3 Millionen Menschen.
Die offiziellen Zahlen aus Nürnberg zeigen jedoch wie in jedem Monat höchstens einen Ausschnitt der tatsächlichen Lage im Land. So beziffert die LINKE im Bundestag die tatsächliche Zahl der Erwerbslosen auf rund 3,6 Millionen Menschen, also rund 700.000 mehr. Sie wirft der Bundesregierung vor, die Zahlen schön zu rechnen, indem sie bestimmte Gruppen gar nicht zur Arbeitslosenzahl hinzurechnet: Arbeitslose, die krank sind, einen sogenannten Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, würden schon länger nicht mehr als arbeitslos gezählt. Viele der Arbeitslosen über die 58 sind, erschienen auch nicht in der offiziellen Statistik. Darüberhinaus tauchen über 300.000 Menschen nicht mehr in der Statitik auf, die als sogenannte stille Reserve gelten – Menschen, die sich resigniert zurückgezogen haben und sich nicht mehr als arbeitslos registrieren lassen.
Außerdem ginge der von der Bundesregierung seit langem propagierte »Aufschwung am Arbeitsmarkt« an bestimmten Gruppen völlig vorbei: »Die Zahl der Langzeitarbeitslosen verharrt seit Jahren bei über einer Million«, kritisierte die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann, mit Blick auf die Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz IV). Deren Zahl lag im Januar bei insgesamt rund 4,3 Millionen, von denen wiederum etwa 1,95 Millionen keine Arbeit hatten.
Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), erklärte, die gute Lage am Arbeitsmarkt solle für die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen genutzt werden. Einerseits solle der Bund die Fördermittel im Hartz-IV-System für die beiden Gruppen erhöhen, anderseits seien auch die Arbeitgeber gefragt, Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen bessere Chancen zu eröffnen. nd/stf
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.