Das schlimmste Jahr des syrischen Bürgerkriegs

Seit März 2015 weitere 50 000 Menschen getötet und eine Million in die Flucht getrieben

  • Roland Etzel
  • Lesedauer: 2 Min.
Das fünfte Jahr des syrischen Bürgerkriegs ist nach Ansicht von Hilfsorganisationen das schlimmste seit Ausbruch des Konflikts gewesen. So heißt es in einem gemeinsamen Bericht von 30 Hilfsorganisationen.

Die Sicht auf das Kriegsland Syrien könnte unterschiedlicher kaum sein: Während die Regierungen in Russland, den USA, aber auch Deutschland wesentlich mehr Zuversicht auf eine Eindämmung des Konflikts als beispielsweise im vergangenen Jahr äußern, zeichnen internationale Hilfsorganisationen ein düsteres Bild. Und beide haben auf ihre Weise recht. Allerdings: Die Politiker müssen zur Begründung ihres Optimismus Atmosphärisches und andere nicht messbare Wahrnehmungen bemühen. Die Hilfswerke dagegen kommen mit bitteren Fakten.

Von einem »Rekordjahr des Leidens« spricht ein am Donnerstag veröffentlichter, von dpa wiedergegebener Bericht von 30 Hilfsorganisationen, darunter Care International, der Norwegische Flüchtlingsrat und Oxfam International. Die Kriegsparteien hätten weitere verheerende Schäden angerichtet, zunehmend Hilfe blockiert und Regionen unter Blockade gestellt. Vor allem aber seien seit März 2015 mindestens 50 000 Menschen getötet und fast eine Million in die Flucht getrieben worden.

Einige Blockaden seien aufgehoben, aber immer noch seien Regionen mit insgesamt 500 000 Einwohnern für Helfer nicht zugänglich. Dass Tausende notleidende Menschen jetzt wieder versorgt werden können, ist vor allem Vereinbarungen zu danken, die von den Kriegsparteien am Boden nach erheblichem Druck Russlands und der USA zustande kamen.

Letzteres gilt genauso für die Feuerpause. Insofern mutet es merkwürdig an, wenn es im Bericht heißt, die Großmächte »sollten den Hoffnungsschimmer schützen, den die Waffenruhe gebracht habe, anstatt Öl ins Feuer zu gießen«. Die Leistungen der Helfer vor Ort können nicht hoch genug gewürdigt werden, manche Äußerungen der Organisationsführungen geben dagegen Rätsel auf.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.