FIFA-Präsident unter Verdacht

»Panama Papers« belasten auch Gianni Infantino

  • Alexander Sarter, Zürich
  • Lesedauer: 3 Min.

Am vergangenen Freitag hätte Gianni Infantino die Briefkästen in Panama noch persönlich inspizieren können. Doch der neue Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA beendete seine Lateinamerikareise lieber im Nachbarland Kolumbien. Nur 40 Tage nach seiner Wahl bringen die »Panama Papers« den selbst ernannten Chefreformer in arge Erklärungsnot.

NDR, WDR und »Süddeutsche Zeitung« kamen nach Auswertung der Papiere zu dem Schluss, dass Infantino in seiner Zeit bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Geschäfte mit einer Briefkastenfirma verstrickt war. Daraufhin durchsuchte die Schweizer Bundespolizei die UEFA-Zentrale in Nyon und forderte Einsicht in die Verträge zwischen UEFA und der Briefkastenfirma Cross Trading. »Natürlich stellt die UEFA alle relevanten Dokumente zur Verfügung und wird vollumfänglich kooperieren«, hieß es in einer Pressemitteilung.

Es geht um Fernsehrechte, die Infantino unter Wert verkauft haben soll. Der 46-Jährige wies die Vorwürfe zurück. »Ich werde nicht akzeptieren, dass meine Integrität von Medien angezweifelt wird - zumal die UEFA bereits alle Fakten in Bezug auf diese Verträge angegeben hat«, sagte der frühere UEFA-Generalsekretär.

Einen Vertrag mit »Cross Trading« soll er als Direktor der UEFA-Rechtsabteilung aber unterschrieben haben. Die Eigentümer dieser Firma sind die Argentinier Hugo und Mariano Jinkis - zwei von der US-Justiz Angeklagte im FIFA-Skandal. Sie haben durch den Vertrag die Rechte an der Champions League für die Jahre 2006 bis 2009 in Lateinamerika erworben. Dann verkauften sie sie mit hohem Gewinn weiter. Aus den Unterlagen geht offenbar hervor, dass »Cross Trading« 111 000 Dollar für das Recht der Ausstrahlung in Ecuador bezahlt hat. Schon zuvor hatte die Firma aber offensichtlich die gleichen Rechte für 311 700 Dollar an den Fernsehsender Teleamazonas weiterverkauft.

Die Frage ist, wie »Cross Trading« schon vor Vertragsabschluss sicher sein konnte, den Zuschlag der UEFA zu erhalten. Das erinnert an den Korruptionsskandal beim Weltverband. Die US-Ermittler werfen den Jinkis vor, hochrangige Fußballfunktionäre mit Millionensummen bestochen zu haben, um günstig an Fernsehrechte zu kommen - die sie dann mit Aufschlag verkaufen konnten.

Infantino bestreitet, dass er in dem nun aufgedeckten Fall persönlich in die Verhandlungen involviert war, »da die Ausschreibung vom Team Marketing im Auftrag der UEFA« durchgeführt wurde: »Nur um das klarzustellen: Weder die UEFA noch ich wurden im Zusammenhang mit diesen Verträgen jemals von Behörden kontaktiert.« Laut Infantino gibt es »keinerlei Anzeichen dafür, dass sich die UEFA oder ich mich in dieser Angelegenheit falsch verhalten hätten«. Auch die UEFA zeigte sich »bestürzt« über die Anschuldigungen und betonte ebenfalls, dass es aus ihrer Sicht keine verwerflichen Verträge gegeben habe. Dies hätten alle Überprüfungen der Vorgänge ergeben. Umso mehr sei der Verband über die aktuelle Berichterstattung verwundert. SID/nd

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