Die Zukunft hängt an einem Spiel
Abstieg wäre Katastrophe für Energie Cottbus
Der Ex-Präsident spricht schon von der »Katastrophe« und einer »Schande«, falls der einstige Fußballbundesligist FC Energie Cottbus tatsächlich in die Viertklassigkeit abstürzen sollte. Doch vorher verbreitet auch der besorgte ehemalige Macher des Klubs noch Optimismus: »Ein Sieg gegen Mainz - und wir bleiben drin. Davon gehe ich aus«, erklärte Dieter Krein, der einst mit Trainer Eduard Geyer die goldenen Cottbuser Zeiten verantwortet hatte.
Der Kulttrainer wird beim Saisonendspiel an diesem Samstag im Stadion der Freundschaft als Maskottchen die Daumen drücken. »Wir waren das Aushängeschild für den Osten Deutschlands. Sechs Jahre Bundesliga haben uns stolz gemacht«, hatte Geyer noch auf der Gala zum 50. Geburtstag des Klubs im Januar erklärt.
Dreieinhalb Monate später geht es gegen Mainz 05 II um alles. Bei einem Sieg wäre Cottbus gerettet und könnte auch in der kommenden Saison in der 3. Liga antreten. Geht es schief und der derzeitige Tabellen-17. verspielt noch seinen letzten Punkt Vorsprung auf die Abstiegsplätze, sind die Auswirkungen noch nicht einzuschätzen. Wie und mit welchem Personal Energie den Neuanfang in der Regionalliga angehen könnte, ist ungewiss.
Das aktuelle Team wäre aufgelöst, fast alle Spieler haben nur Drittligaverträge. Der bisherige Jahresetat für den Kader von rund vier Millionen Euro würde sich drastisch reduzieren, das Gesamtbudget von 7,3 Millionen Euro zumindest halbiert werden, auch weil Energie die Teilnahme am lukrativen DFB-Pokal verpasst hat. Sparmaßnahmen wären die Folge. Ob beispielsweise die 2. Mannschaft noch in der Oberliga spielen könnte, ist offen.
Noch aber schieben die Verantwortlichen das Horrorszenario zur Seite. Nur Mainz zählt, betonte Trainer Claus-Dieter Wollitz: »Alle haben die totale Gier auf das Spiel.« Bis zum Freitag waren 9000 Tickets verkauft. 12 000 bis 13 000 Fans werden erwartet, doppelt so viel wie der bisherige Saisonschnitt. »Ich weiß, dass uns das Publikum gegen Mainz tragen wird«, sagte Wollitz. Auch »Fußballgott« Detlef Irrgang, der jüngst zum besten Cottbuser Spieler der Geschichte gewählt worden war, ist dabei. Es wird kein Rahmenprogramm geben, kein Schnickschnack - nur puren Fußball.
Ex-Präsident Krein schaute sogar schon über den erhofften positiven Ausgang hinaus: »Wenn wir den Klassenerhalt schaffen, sollten wir uns nicht mit verschränkten Armen selbstzufrieden zurücklehnen. Da müssen die Fehler knallhart analysiert, Konsequenzen gezogen und auch strukturelle Veränderungen vorgenommen werden«, mahnte er. dpa/nd
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