Randale in fünfter Nacht nach Räumung der Rigaer 94
Scheiben in Bank eingeworfen / Für brennende Autos aber offenbar Diebe verantwortlich / CDU kritisiert Grüne und LINKE
In der fünften Nacht in Folge gingen wieder Glasscheiben zu Bruch. Unbekannte warfen die Scheiben einer Bank in Mitte ein. Da sie außerdem den Schriftzug «R 94» auf die Fassade des Gebäudes sprühten, liegt ein Zusammenhang mit der Räumung einer Kneipe in einem Hausprojekt in der Rigaer Straße 94 in der vergangenen Woche nahe.
Zwei brennende Fahrzeuge in Kreuzberg und Rudow hatten jedoch vermutlich andere Ursachen. Ein Anwohner der Köpenicker Straße in Rudow alarmierte in der Nacht die Polizei, nachdem er einen brennenden VW bemerkt hatte. Er gab außerdem an, eine Gruppe unbekannter Personen sei vom Tatort geflohen. Die Polizei geht von einem politischen Motiv aus. Das Auto soll laut «Bild» dem SPD-Politiker Peter Scharmberg gehören. Bereits 2014 war ein Auto des Politikers vermutlich von Rechtsextremisten angezündet worden, weil er sich für Flüchtlinge eingesetzt hatte. An einem ausgebrannten BMW in der Rungestraße in Kreuzberg wurden gestohlene Kennzeichen festgestellt. Die Polizei geht davon aus, dass das Auto angezündet wurde, um Diebstahlspuren zu vertuschen.
Seit vergangener Woche werden Erdgeschoss und Dachboden in der «Rigaer 94» geräumt. In den darauffolgenden Nächten wurden unter anderem mehrere Autos angezündet und Scheiben von Bankfilalien eingeschlagen.
Die CDU kritisierte, dass die Spitzen von Grünen und LINKEN sich zum Thema nicht äußerten. Generalsekretär Kai Wegner warf ihnen vor, sich bei «Gewaltausbrüchen der linken Szene» wegzuducken: «Das ist ein verheerendes Signal nicht nur an die Berlinerinnen und Berliner, sondern auch an unsere Polizei.» Der Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer schrieb auf Twitter: «Die Rigaer94 Ausschreitungen mit ›links‹ in Verbindung zu bringen ist so, als würde ich behaupten der NSU wäre ›konservativ‹. Die Bewohner der »Rigaer 94« kündigten für Montagabend eine Pressekonferenz an.
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