Kinder statt Fettmacher!
Alexander Isele ist beeindruckt von der Ironiefreiheit der Funktionäre
Die UEFA will keine Kinder von Spielern mehr auf dem Platz sehen. Zwar seien die Bilder von den Jungen und Mädchen »sehr schön« gewesen, sagte Turnierdirektor Martin Kallen. »Aber das ist eine Europameisterschaft und zumindest auf dem Rasen keine Familienveranstaltung.« Nach dem sensationellen Halbfinaleinzug der Waliser hatten die Kinder zahlreicher Spieler auf dem Platz gespielt. Auch Spieler der Slowaken und Isländer freuten sich mit ihren Kindern auf dem Platz.
Dass die Fußballverbände ein steriles Produkt vermarkten wollen, ist bekannt. Politische oder religiöse Meinungsäußerungen sind verboten. Bannmeilen um das Stadion stellen sicher, dass nur die offiziellen Werbepartner an der EM verdienen. Spiel und Spieler sind Projektionsflächen für Werbung. Gewollt sind passive Fans, die das Produkt Fußball konsumieren und die Kulisse für die Show abliefern. Das selbst Kinder bei dieser Inszenierung stören, wundert aber doch. Anlass genug, mal aufzuzählen, was wir Fans bei der UEFA nicht mehr sehen wollen.
Am Anfang steht die Werbung für Fettmacher und Alkohol. Und das beim Sport! Dann die Umweltzerstörer: Welch Ironie, sich zur nachhaltigsten EM aller Zeiten zu gratulieren, die aber Plattform für einen Autohersteller und eine Fluggesellschaft als Hauptsponsoren dient. Wir wollen auch keine lächerlichen Geldstrafen an Verbände für rassistische Gesänge auf den Tribünen. Wenn schon das Abbrennen von Bengalos zu leeren Blöcken führt, sollten auch Hass und Hetze konsequent Zuschauerausschlüsse nach sich ziehen.
Auch wollen wir Wolfgang Niersbach - stellvertretend für alle korrupten UEFA-Funktionäre - nie mehr sehen. Mehrere Staatsanwälte ermitteln wegen seiner Verstrickung in die WM-Affäre. Keine Lust haben wir auf zensierte Bilder. Die UEFA zeigt keine Flitzer, Pyrotechnik oder Ausschreitungen, um das heile Bild zu bewähren. Dabei können wir uns selbst am besten eine Meinung bilden.
Diese Liste ist nicht vollständig, Kritik an der UEFA könnte die ganze Zeitung füllen. Ist die Lösung, einfach nicht mehr hinzuschauen? Nein! Wir möchten Fußball sehen. Das lassen wir uns von der UEFA nicht nehmen.
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