Silas Kropf

Frankfurter Student mit Sprachtalent und geschichtlichem Interesse

  • Lesedauer: 2 Min.

Silas Kropf ist 21 und lebt in Hanau bei Frankfurt. Der Student kommt aus einer Sintifamilie, die seit Jahrhunderten in Deutschland lebt. Seine Großeltern, erzählt Silas, seien noch »Zirkusartisten« gewesen, seine Eltern in Schaustellerfamilien aufgewachsen. Als es bei seinen Eltern um Familienplanung ging, war schnell klar, dass sie sich so ein Leben für ihre Kinder nicht wünschen. Reisebeschulung, kein dauerhafter Wohnort, das gefiel ihnen nicht. Die Eltern von Silas leben »völlig deutsch«. Gewisse Dinge bewahrte man sich allerdings, wie die Sprache Romanes, die mit vielen Verwandten gesprochen wird. Silas merkt man seine Sprachbegabung rasch an, in Gesprächen mit anderen wechselt er zwischen den verschiedenen Dialekten. Das Romanes der Sinti ist stark vom Deutschen geprägt - wie auch die anderen Dialekte von den jeweiligen Stammländern der Roma.

In Vereinen engagiert sich Silas Kropf erst seit wenigen Jahren. Das sei mit dem Abitur gekommen. Ihm ist die Geschichtsarbeit wichtig. Über eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz kann er lange erzählen, auch darüber, wie Sinti und Roma im Nazireich entrechtet wurden. Dass dies in der Bundesrepublik weiterging, erzählt Silas mit Wut in der Stimme. 1956 stellte der Bundesgerichtshof fest, dass sogenannte »Zigeuner« im Nationalsozialismus nur wegen ihrer kriminellen Lebensweise verfolgt wurden.

Silas studiert soziale Arbeit in Frankfurt. Nebenberuflich arbeitet er auch im sozialen Bereich, koordiniert Bildungsangebote und Sprachkurse für neu zugewanderte Roma. Wegen der Sprache habe er da einen guten Zugang, erzählt er. Selbst ist Silas noch nicht Opfer von rassistischen Angriffen geworden. Er ist sich sicher, das liege daran, dass er »biodeutsch« aussehe. sew

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