Altersweise

Personalie

  • Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens gilt vielen Menschen noch immer als unseriös, wenn nicht ein wenig verrückt: Wer soll das denn bezahlen? Würden dann nicht alle zu arbeiten aufhören? So und so ähnlich klingt der populäre Tenor zum Thema, da können Befürworter argumentieren wie und vorrechnen was sie wollen.

Auf solche Kritik ist Hans Stallkamp aus Wallenhorst bei Osnabrück die verkörperte Antwort. Denn der Senior, der nun für die Kleinpartei »Bündnis Grundeinkommen« in den Bundestag einziehen will, ist nach bundesdeutschen Standards die Seriosität in Person. Nicht weniger als 50 Jahre saß er in seinem Geburtsort, den er nie auf Dauer verließ, im Gemeinderat, immerhin 25 Jahre arbeitete er im Kreistag mit - immer für die CDU. Rekrutiert wurde der 1938 geborene Landwirt, wie auf dem Land einst üblich, anno 1964 von einem Nachbarn als Nachfolger. Und als der mit Bundesverdienstkreuz und anderen Ehrungen dekorierte Kommunalveteran 2014 seinen Rückzug erklärte, wollte er es ähnlich halten.

Ob Stallkamp, der in Niedersachsen als Schatzmeister der Kleinpartei fungiert, tatsächlich auf die Landesliste kommt, entscheidet sich am Samstag. Unabhängig davon und auch aus der Entfernung aber zeigt die Personalie, dass sich langjährige CDUler auch in einer anderen Weise weiterentwickeln können als in Richtung »Obergrenze«. Während nicht wenige gerade unter den älteren Parteiveteranen 2016 eine »ausländerpolitische« Rechtskurve anmahnten, gründete der altersweise Ex-Präsident der »Niedersächsischen Geflügelwirtschaft« und spätere Biobauer im Herbst die Grundeinkommenspartei mit.

Mit dieser Idee befasst sich Hans Stallkamp demnach seit rund einem Jahrzehnt. Zum Tätigwerden aber brachten ihn die zweieinhalb Jahre nach seinem Rückzug aus dem Gemeinderat. Denn, so sagte er der »Neuen Osnabrücker Zeitung«, »die soziale Entwicklung« sei nicht mehr zu ertragen: »Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.«

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