Im Kriechgang zur »grünen Autobahn«
Spatenstich für Teilstück der A 14 in der Altmark
Sie wächst nur langsam, aber sie wächst: die Autobahn A 14 in der Altmark. Bisher besteht sie nur aus einem gut fünf Kilometer kurzen Teilstück bei Colbitz. Drei Jahre nach dessen Fertigstellung stechen nun Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Verkehrsminister Thomas Webel (beide CDU) feierlich einen Spaten in ein Feld bei Cröchern und geben damit pünktlich zum Wahlkampf den symbolischen Startschuss dafür, dass sich die Länge der Fernstraße mehr als verdoppelt. Der eigentliche Streckenbau an dem 8,5 Kilometer langen Abschnitt bis zur Anschlussstelle Tangerhütte soll 2018 beginnen und 2020 beendet sein.
Die Autobahn soll auf 155 Kilometern Länge die Landeshauptstädte Magdeburg und Schwerin verbinden und den laut sachsen-anhaltischer Landesregierung »größten autobahnfreien Raum Deutschlands« erschließen. Sie gehört freilich zu den am langsamsten wachsenden Verkehrswegen in der Bundesrepublik. Zwar steht seit 13 Jahren fest, auf welcher Trasse die A 14 gebaut werden soll. Gegen konkrete Planungen gab es aber regelmäßig Klagen des BUND. Nach Ansicht des Umweltverbandes ist die mit dem Bau verbundene Naturzerschneidung »nicht zu rechtfertigen«. Mit dem juristischen Störfeuer wollte man ein Alternativkonzept durchsetzen, das den dreispurigen Ausbau zweier vorhandener Bundesstraßen favorisierte.
Die Strategie ist gescheitert. Die Gerichte gaben zwar den Einwänden des BUND oft statt, hielten jedoch an der Autobahn fest - trotz nach unten korrigierter Verkehrsprognosen. Zwischen Colbitz und Dolle hatte man einst mit 42 000 Autos am Tag gerechnet, jetzt geht man noch von 27 000 aus. Dennoch bröckelt auch der politische Rückhalt: Die Grünen hätten »mit dem Eintritt in die Regierungskoalition« ihren Widerstand aufgegeben, klagt der Verband. »Mittlerweile sind wir die einzige gesellschaftlich relevante Kraft, die noch Widerstand leistet«, sagt Landeschef Ralf Meyer dem »nd«. Seit Dezember 2016 verfolgt man daher eine neue Linie. Im Zuge einer Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht, die Erfolg verhieß, einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss. Das Land sicherte Zugeständnisse beim Tierschutz und mehr Lärmschutz zu; im Gegenzug verzichtet der BUND bei zunächst zwei Bauabschnitten auf weitere Klagen.
Bisher geht die Rechnung nach Ansicht Meyers auf. Auf den Abschnitten bis Dolle und weiter bis Lüderitz hätten Kartierungen das Vorkommen seltener Amphibienarten belegt: »Da muss nun nachgebessert werden«, sagt Meyer. Im Kompromisspapier ist auch festgehalten, dass an mindestens 22 Stellen die Trasse zusätzlich begrünt werden muss. Minister Webel spricht ohnehin bereits von einer »grünen Autobahn« - die, wie er vor der Landtagswahl 2016 ankündigte, bis 2020 fertig sein solle. Für 2017 hatte er auf durchgängiges Baurecht gehofft.
Dieser Plan kann indes als hinfällig angesehen werden; für die übrigen fünf Abschnitte habe man gerade erst Unterlagen erhalten, sagt Meyer. Sie betreffen so heikle Vorhaben wie die Querung der Elbe und des Mittellandkanals. Ob man auch dort auf Klagen verzichten könne, sei noch nicht absehbar, sagt der BUND-Chef: »Das wäre Kaffeesatzleserei«. Zunächst müsse abgewartet werden, wie die Verhandlungen mit dem Land laufen - und wie exakt die Änderungswünsche für den Abschnitt umgesetzt werden, an dem Haseloff und Webel heute den Spaten ansetzen. Das, sagt Meyer, »wird der Lackmustest« für den bei Gericht erzielten Kompromiss.
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