»Sie scheitern an der Kletterstange«

Sachsen-Anhalts Kinder und ihre Motorik-Probleme

  • Romina Kempt, Halle
  • Lesedauer: 2 Min.

Sie können kein Rad mehr schlagen, scheitern an der Kletterstange und machen nach wenigen Metern auf der Laufbahn schlapp: Vor allem Pädagogen beobachten, dass die sportlichen Leistungen bei etlichen Kindern abnehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von einem veränderten Medienverhalten bis hin zum Unterrichtsausfall, wie eine dpa-Umfrage in Sachsen-Anhalt ergab.

Die Probleme beginnen schon im Kindergarten. »In einigen Kitas dürfen die Kinder nicht einmal mehr auf einen Baum klettern«, sagte der Sprecher der Sportjugend im Landessportbund Sachsen-Anhalt, Christian Schild, in Halle. Die Kita-Leitungen fürchteten eine höhere Verletzungsgefahr bei den Kleinen - und damit Probleme seitens der Unfallkasse und der Eltern. Zudem seien Erzieher teilweise unzureichend ausgebildet oder es gebe einfach keine geeigneten Sporträume.

In der Schule gehen die Probleme weiter. Der Sportunterricht falle oft aus, sagt Schild. Zudem habe sich das Medienverhalten der Kleinen geändert, ergänzt Alexander Pistorius, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW Sachsen-Anhalt. Statt Purzelbaum und Rumtoben im Freien heiße es oft PC und Smartphone. Außerdem nehme das Vertrauen einiger Eltern ab, vermutet Pistorius. Sie würden ihre Kinder morgens lieber mit dem Auto in die Schule fahren, statt sie allein zu Fuß auf den Schulweg zu schicken. Schon dadurch sinke die Bewegung.

Doch das Problem betrifft nicht alle Heranwachsenden gleichermaßen. »Wir haben Kinder und Jugendliche, die sich durchaus noch bewegen«, betonte Schild. Sie seien in Vereinen aktiv, würden von ihren Familien unterstützt und gute Leistungen etwa bei Wettbewerben erzielen. Bei den Einschulungstests im Land wurde laut Landesamt für Verbraucherschutz in den vergangenen Jahren keine starke Zunahme der motorischen Defizite gemeldet.

Wichtig ist den Vertretern zufolge letztlich den Sport zu fördern. Lehrer würden mehr Zeit in die Vorbereitung des Sportunterrichts investieren müssen, um auch für unsportlichere Schüler motivierende Ziele zu stecken, sagte Pistorius. Der Sportbund habe Angebote - teils kostenlose - für Kinder aller sozialer Schichten, so Schild. Nach Verbandsangaben gibt es beispielsweise mobile Sport- und Spielprojekte. Bei Vereinsfesten oder Aktionstagen kommen Hüpfburgen, aufbaubare Halfpipes oder Riesenmikado-Spiele zum Einsatz. dpa/nd

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