Krankenhausärzte streiken in Griechenland
Erhöhung der Arbeitszeit auf bis zu 60 Stunden pro Woche / 18.000 junge Ärzte seit 2010 ausgewandert / Im gesamten Land immer mehr Teilzeit und Niedriglohn
Athen. Die griechischen Krankenhausärzte sind am Donnerstag in einen 24-stündigen Streik getreten. Wie ihre Gewerkschaft OENGE mitteilte, protestieren sie damit gegen ein neues Gesetz, mit dem ihre Arbeitszeit von heute höchstens 48 Stunden auf bis zu 60 Stunden in der Woche erhöht werden kann. Zudem protestieren sie gegen die Kürzungen ihrer Gehälter und fordern die Einstellung von mehr Ärzten und Krankenhauspersonal.
»Wir fordern Einstellungen jetzt«, hieß es in einer Erklärung des Verbandes der (staatlichen) Krankenhausärzte Griechenlands. In den staatlichen Krankenhäusern werden wegen des Streiks nur Notfälle behandelt, erklärte eine Sprecherin des Verbandes der Krankenhausärzte im griechischen Fernsehen.
Wegen der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise wurden in den vergangenen sechs Jahren kaum neue Ärzte und Krankenhauspersonal in Griechenland eingestellt. In vielen Krankenhäusern sieht man heutzutage viele ältere Ärzte. Nach Angaben des Athener Ärzteverbandes sind seit 2010 mehr als 18.000 junge griechische Ärzte ausgewandert. Die Mehrheit von ihnen arbeitet in Großbritannien, Deutschland und den arabischen Golfstaaten.
Arbeitslosigkeit in Griechenland sinkt - aber viele Teilzeitjobs
Die Arbeitslosigkeit in Griechenland geht derweil insgesamt zurück. Die Quote betrug im August 20,6 Prozent, wie das griechische Statistikamt (Elstat) am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahresmonat hatte sie noch bei 23,4 Prozent gelegen.
Am schlimmsten betroffen sind aber weiterhin junge Menschen. Von ihnen waren 40,2 Prozent im August dieses Jahres ohne Job. Die Lage ist jedoch deutlich besser als im August 2013. Damals waren 57,6 Prozent der jungen Menschen ohne Beschäftigung und die allgemeine Arbeitslosigkeit betrug 27,8 Prozent.
Allerdings arbeitet fast jeder dritte griechische Beschäftigte in der privaten Wirtschaft laut staatlicher Rentenkasse (EFKA) in Teilzeit. Diese insgesamt rund 555.000 Werktätigen verdienen im Durchschnitt 394,13 Euro im Monat. Griechische Gewerkschaften kritisierten das niedrige Niveau der Einkommen. Jeder dritte Beschäftigte sei auf Sozialhilfe angewiesen. Bis zum Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2009 war in Griechenland Teilzeitarbeit fast unbekannt. dpa/nd
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