Zuschauen allein ändert nichts
Personalie
Den nüchternen Blick auf die Lage der polnischen Opposition bringt Katarzyna Anna Lubnauer von Hause aus mit. 1969 in Łodz geboren, studierte sie Mathematik, 2001 erwarb sie den Doktortitel - mit einer Abhandlung über »Grenzwertsätze in der Quantenwahrscheinlichkeitstheorie«. Da aber anders als auf Quantenebene allein das Betrachten von gesellschaftlichen Phänomenen nicht schon für Änderung derselben sorgt, sondern vor allem auch politisches Handeln erfordert, engagierte sich Lubnauer schon früh in Organisationen und Parteien. Jüngst erreichte ihr Aufstieg seinen Höhepunkt - sie übernahm Ende November den Parteivorsitz der liberalen Nowoczesna (»Die Modernen«). Ein Wechsel an der Spitze, der in die Zeit passt.
Anders als vor einem Jahr, als Oppositionsabgeordnete tagelang aus Protest gegen einige Vorhaben der PiS-Regierung in Warschau das Parlament besetzten, gehen sowohl die diesjährigen Justizreformen als auch die Regierungsumbildung beinahe geräuschlos vonstatten - Massendemonstrationen oder Parlamentsbesetzungen gibt es im Winter 2017 nicht. Der vorherige Nowoczesna-Chef und Parteigründer Ryszard Petru hatte dafür schon 2016 keinen Nerv: Er flog mit seiner Freundin nach Portugal, während Parteikollegen im Sejm ausharrten. Mit ein Grund, warum er jetzt nicht mehr an der Spitze der Partei steht.
Lubnauer betrachtet die jetzige Lage in Polen ohne Illusionen. Die PiS sitzt scheinbar fester im Sattel als je zuvor in ihrer zweijährigen Regierungsphase und »Ja, die jungen Polen sind ziemlich rechts«, konstatierte sie vor kurzem in der »Welt«. Sie setzt vor allem auf die Mittelklasse, mithin jene Polen, die von der EU-Mitgliedschaft des Landes profitieren und dem Europakurs der PiS kritisch gegenüberstehen. Die 48-Jährige hat dabei vor allem die Kommunalwahlen im kommenden Jahr im Blick, für die sie bereits parteiübergreifende Wahlbündnisse schmiedet: Derzeit wohl auch der einzig Erfolg versprechende Weg für die nächsten Parlamentswahlen 2019.
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