Abgemahnt

Gewerkschafter Damiano Quinto wurde von ver.di abgemahnt.

  • Nelli Tügel
  • Lesedauer: 2 Min.

Es ist nicht das erste Mal, dass Damiano Quinto Ärger mit dem Arbeitgeber hat. Viele Jahre verdingte sich der 46-Jährige für den Textilkonzern H&M, war dort Betriebsrat und aktiver Gewerkschafter. Seine Chefs versuchten lange, ihn loszuwerden: 2015 ging ein Kündigungsversuch bis vor das Bundesarbeitsgericht, wo H&M eine Bruchlandung erlitt. Mittlerweise arbeitet Quinto für die Gewerkschaft ver.di im Fachbereich Handel - und ist dort erneut mit ungewöhnlich hartem Vorgehen des Arbeitgebers konfrontiert. Denn ver.di hat Quinto abgemahnt.

Der Grund für die schwerste der arbeitsrechtlich möglichen Verwarnungen: Er hatte auf seiner privaten Facebook-Seite einen Text aus der linksgewerkschaftlichen Monatszeitung »Express« geteilt, dessen Autor einen kritischen Blick auf die Arbeit des Fachbereichs Handel wirft.

Am Montagabend ging nun auf der Plattform »labournet« ein Protestbrief online, der sich gegen dieses Vorgehen wendet. 120 Erstunterzeichner, darunter Betriebsräte aus dem Einzelhandel, aber auch LINKE-Chef Bernd Riexinger, fordern eine Rücknahme der Abmahnung und beziehen sich auf den Namen jener gewerkschaftlichen Kampagne, mit der Quinto während seiner Zeit bei H&M unterstützt wurde: »Wir alle sind Damiano«.

Quinto ist Gastarbeiterkind und stammt aus Daun in der Vulkaneifel. Zum Studieren ging er ins nahe gelegene Trier. Dort fing Quinto als Aushilfe bei H&M an, wurde Betriebsrat und blieb es. Das Studium ließ er sausen. Seit vier Jahren ist der 46-Jährige Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Handel und dort für Textilhändler wie H&M, Esprit und Primark zuständig.

Zudem setzt er sich mit dem kriselnden Warenhausunternehmen Kaufhof auseinander, wo Beschäftigte um Jobs und Tarifstandards bangen. Jetzt muss Quinto selbst bangen - eine Abmahnung ist kein Pappenstiel. Zugleich kann er, das zeigt der Protestbrief, auf breite Solidarität setzen. Ver.di äußert sich nicht zu dem Fall, aus datenschutzrechtlichen Gründen. Es ist aber möglich, dass er auf dem bald beginnenden ver.di-Bundeskongress eine Rolle spielen wird.

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