»Nach vorn fehlt wirklich viel«

Mehrere Verletzungen stoppten Biathlonweltmeister Simon Schempp in der vergangenen Saison. Der Weg zurück an die Spitze ist beschwerlich

  • Thomas Wolfer, Östersund
  • Lesedauer: 3 Min.

Simon Schempp konnte den Frust über sein ziemlich verkorkstes Comeback nur schwer verbergen. »Es liegt eine Menge Arbeit vor mir. Nach vorn fehlt wirklich viel«, sagte der ehemalige Weltmeister in Östersund. Nach rund elf Monaten bestritt der 31-jährige Schwabe am Sonntag in Schweden wieder ein Rennen im Weltcup. Platz 32 im Sprint mit zwei Fehlern und der 45. Laufzeit waren für den Olympiazweiten im Massenstart eine Enttäuschung, ans Aufgeben denkt Deutschlands früherer Vorzeigebiathlet aber nicht.

Klar wurde zum Saisonauftakt aber auch: Schempps Weg zurück in die Weltspitze wird beschwerlich, selbst im eigenen Team muss er sich zunächst behaupten. »Wenn man von Anfang an Zeit verliert und nicht dagegenhalten kann, kommt man nicht weit«, sagte Schempp gefrustet. »In meinen besten Zeiten hatte ich sehr gute Laufzeiten und Schlussrunden - da fehlt zur Zeit einfach viel.« Bei Platz sieben mit der Mixedstaffel zeigte er zudem Probleme beim Schießen.

Rückenschmerzen, eine Schulteroperation nach einem Sturz mit dem Mountainbike und anhaltende Formschwäche: In der Vorsaison war Schempp im Januar in Oberhof aus dem Wettkampfbetrieb ausgestiegen, verzichtete auf die WM in Östersund und trainierte mehrere Monate gar nicht. Es war ein richtiger Schritt, um dem Körper die nötige Zeit zur Erholung zu geben: »Ich habe kein Land mehr gesehen.« Im Sommer gewann Schempp dann alle Einzeltitel bei den deutschen Meisterschaften, sucht nun aber schon wieder nach der Form.

Sein großes Saisonziel ist die WM im Februar 2020 in Antholz. Er feierte fünf seiner zwölf Weltcupsiege in Italien, gilt als Spezialist für die Strecken in der Höhe von Südtirol. »Es muss deutlich besser werden. Aber ich wäre schon gerne dabei«, sagte der viermalige Weltmeister. Gründe für den schwachen Einstieg in den Winter sah er im harten Training. »Akut beunruhigt bin ich nicht«, sagte er.

Bundestrainer Mark Kirchner (»Wir wissen, was er leisten kann«) gibt Schempp Zeit, doch die Weltcup-Startplätze sind begehrt im Team. Mit Podesträngen im zweitklassigen IBU-Cup boten sich am Sonntag Philipp Nawrath und Lucas Fratzscher für Einsätze an. Noch muss Schempp zwar nicht bangen, wirklich viel Zeit für eine Leistungssteigerung bleibt dem Uhinger aber auch nicht. Am Mittwoch hat er im harten Einzel von Östersund über 20 Kilometer seinen nächsten Einsatz vor sich.

Trost und Rat findet der langjährige Schlussläufer der deutsche Staffel in diesen Tagen bei seiner Freundin Franziska Preuß. Die 25-Jährige verpasste bei ihrem Saisoneinstand in Mittelschweden als Sprintvierte nur hauchdünn das Podest. Das Paar wohnt gemeinsam in Ruhpolding und ist Rückschläge gewohnt. Auch Preuß musste sich nach gesundheitlichen Problemen immer wieder mühsam zurückkämpfen. »Simon macht auf mich einen guten Eindruck«, sagte Preuß. »Es ist schwer, wieder ganz nach oben zu kommen, denn die Spitze bei den Männern ist super eng.«

Dort war Schempp schon, verpasste bei Olympiagold in Pyeongchang nur um Zentimeter. Silber war neben dem WM-Titel im Massenstart 2017 sein größter Erfolg. Wieder um Medaillen zu kämpfen, bleibt Schempps großer Antrieb: »Das ist mein Anspruch, aber übers Knie brechen kann man nichts.« dpa/nd

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