Pandemie schlägt Bankencrash

Amtliche Statistiker vergleichen Corona- mit Finanzkrise

  • Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

Sprach man von Wirtschaftskrisen, dann dachten die meisten bis zu diesem Frühjahr vermutlich hauptsächlich an die Finanzkrise von 2007/08 und die daraus folgende Eurokrise. Doch nach den ersten Lockdowns war schnell klar, dass die Corona-Pandemie eine noch weitaus tiefere Rezession mit sich bringen würde. »Aktuell können wir nur versuchsweise erfassen, in welchem Ausmaß und mit welcher Schwere sich der Coronavirus-Schock auf unsere Volkswirtschaften niederschlägt. Die unmittelbaren Folgen werden für die Weltwirtschaft weitaus gravierender sein als die der Finanzkrise«, warnte etwa EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis im Mai. Bereits im April warnte der Internationale Währungsfonds vor der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression in den 1930er Jahren.

Dies waren erst mal nur Vorhersagen. Nun liegen aber erste Daten vor, wie Corona die Konjunktur beeinflusst hat. Das Statistische Bundesamt verglich diese in einer am Mittwoch veröffentlichten Statistik mit der Entwicklung in der letzten Finanzkrise. Das Fazit: Die ersten Zahlen geben dunklen Prophezeiungen vom Frühjahr recht. Die Corona-Pandemie drückte bisher noch weitaus stärker und schneller auf die Konjunktur und den Arbeitsmarkt als die Turbulenzen in der Finanzwelt vor 12, 13 Jahren.

So setzte die Rezession vergleichsweise schleichend danach ein. Im zweiten Quartal des Jahres 2008 war das Wirtschaftswachstum damals hierzulande mit minus 0,3 Prozent das erste Mal negativ. Der Höhepunkt der Wirtschaftskrise lag in Deutschland im Zeitraum Januar bis März 2009, als das Bruttoinlandsprodukt um 4,7 Prozent einbrach. Aktuell trifft die Corona-Pandemie die Wirtschaft weitaus schneller und heftiger: Bereits von April bis Juni stürzte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zu den drei Monaten davor um 10,1 Prozent ab.

Dies hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die es in der Finanzkrise so nicht gab. So ist nicht nur die Anzahl der Beschäftigten in Kurzarbeit mit zuletzt im Juni 6,7 Millionen Personen mehr als viermal so hoch wie damals. Auch die Beschäftigung ging schneller und stärker zurück: Von April bis Juni sank die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Quartal davor saisonbereinigt um 1,4 Prozent. Das Bankenbeben vor gut einem Jahrzehnt »wirkte sich zunächst nicht erkennbar auf den Arbeitsmarkt aus«, schreiben die amtlichen Statistiker. Danach wurde die Krise erst Mitte 2009 erkennbar, als die Beschäftigung im zweiten Quartal um 0,3 und im dritten Quartal um 0,2 Prozent zurückging.

Unterdessen trifft die Coronakrise andere EU-Staaten noch weitaus heftiger als Deutschland, wie das Statistische Bundesamt anführt: In Spanien brach zum Beispiel die Wirtschaftsleistung mit 18,5 Prozent um fast ein Fünftel ein, in Portugal waren es 14,1 Prozent und in Italien 12,4 Prozent. Diese Länder hatten auch schon in der auf die Finanzkrise folgenden Eurokrise weitaus mehr gelitten als Deutschland.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.