Fortschritte zunichte gemacht

Wegen Coronakrise droht laut UN-Organisationen gerade Frauen und Mädchen mehr extreme Armut

  • Peter Steiniger
  • Lesedauer: 2 Min.

Nach Jahrzehnten dreht sich der Trend um: Weitere 47 Millionen Frauen und Mädchen auf der Welt wird die Coronakrise bis 2021 in die extreme Armut treiben. Das entspricht einem Anstieg der entsprechenden Armutsrate um 9,1 Prozent. Vor der Pandemie war für den Zeitraum 2019 bis 2021 dafür noch ein Rückgang um 2,7 Prozent vorhergesagt worden. Die Hiobsbotschaft überbrachten am Mittwoch in New York die UN-Frauenorganisation UN Women und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP der Öffentlichkeit. Mit der Ermittlung dieser Prognose hatten die beiden Organisationen Wissenschaftler der Universität in Denver im US-Bundesstaat Colorado beauftragt.

Insgesamt könnten demnach bis zum kommenden Jahr global 96 Millionen Menschen in die extreme Armut fallen. Die Zahl der davon betroffenen Frauen und Mädchen stiege auf 435 Millionen. Die meisten von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara, viele aber auch in Südasien.

Die Armutsrisiken im Gefolge von Corona sind nach der Studie für Frauen deutlich höher als für Männer. Auf jeden in extremer Armut lebenden Mann im Alter zwischen 25 und 34 werden 2021 118 Frauen kommen. 2030 könnte dieses Verhältnis bei eins zu 121 liegen. »Frauen tragen die Hauptlast der Coronakrise, weil sie stärker gefährdet sind, ihre Einkommensquelle zu verlieren, und weniger wahrscheinlich von sozialen Schutzmaßnahmen geschützt sind«, erläuterte der Uno-Untergeneralsekretär und Leiter des UN-Entwicklungsprogramms Achim Steiner. Von der Politik fordern UN Women und UNDP, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Die Regierungen müssten »eine umfassende Strategie implementieren, die den Zugang zu Bildung, Familienplanung, gerechten und gleichen Lohn und dem Ausbau sozialer Transfers garantiert«, betonte Steiner.

Millionen weltweit haben durch den faktischen Stillstand des Tourismus ihre Einkommen verloren. Darauf macht ein weiterer aktueller Uno-Bericht aufmerksam. Gerade ärmere Länder und deren Bewohner sind stark vom Fremdenverkehr abhängig. Doch auch hoch entwickelte haben nach dem Ende klassischer Industrien auf diese Branche gesetzt. Bereits im Mai hatte UNDP auf dramatische auch indirekte Krisenfolgen hingewiesen. Der seit 1990 geführte UN-Index, der menschlichen Entwicklung, der Lebenserwartung, Bildung und Einkommen misst, wird erstmals weltweit nach unten zeigen.

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