Zeit für den Durchbruch

Die deutschen Handballerinnen zittern sich durch die EM-Vorrunde. Ihr Verband fordert Besserung

  • Lesedauer: 3 Min.

Kolding. Ihren handballfreien Tag verbrachten Kapitänin Kim Naidzinavicius und ihre Teamkolleginnen im Wald. In einem Kletterpark stimmten sich die deutschen Handballerinnen auf die Hauptrunde der EM ein. Auch im Turnier soll es noch hoch hinausgehen, für das große Ziel Halbfinale muss aber vieles besser laufen.

Während Bundestrainer Henk Groener und sein Team im »Wow-Park« bei Billund neue Energie sammelten, übte die Verbandsspitze deutliche Manöverkritik an den schwachen Vorstellungen in der Vorrunde und forderte vor allem von den arrivierten Kräften eine deutliche Steigerung. »Wir erwarten von unseren Leistungsträgerinnen, dass sie ihren Durchbruch bei diesem Turnier in der Hauptrunde schaffen. Auch in Sachen mentaler Bereitschaft«, bekräftigte Axel Kromer, Sportvorstand des Deutschen Handballbundes (DHB). »Spielerinnen wie Emily Bölk und Naidzinavicius haben vor dem Turnier das Halbfinale als Ziel formuliert, doch dafür müssen sie auch ihre Leistung abrufen.« Die beiden wüssten, »dass sie zu deutlich mehr in der Lage sind, und sie haben beide auch den Anspruch, dies abzurufen.«

Schwache Trefferquote

Dank des verdienten Auftaktsiegs gegen Rumänien nimmt das deutsche Team immerhin zwei Punkte mit in die Hauptrunde. Doch schon im zweiten Gruppenspiel gegen die hochfavorisierten Norwegerinnen erlebte die Auswahl des DHB einen schweren Rückschlag: Das 23:42 war die höchste Niederlage einer deutschen Mannschaft überhaupt. Auch beim Unentschieden gegen Polen lieferte Groeners Mannschaft vor allem im Angriff eine desolate Leistung ab.

Zahlen belegen das bislang schwache Auftreten von Naidzinavicius und Bölk schonungslos. Gerade mal 47 Prozent der eigenen Würfe landeten im gegnerischen Tor. Immerhin: Die Abwehr steigerte sich im Vergleich zum Norwegen-Spiel. Trotzdem wartet jede Menge Arbeit auf Groener und sein Trainerteam. Laut einer Statistik der Ruhr-Universität Bochum, die auf den offiziellen Spieldaten des Europäischen Handballverbands EHF basiert, sind die Kapitänin und ihre geforderte Teamkollegin bislang die deutschen Spielerinnen mit den schlechtesten Werten. Bei der Erhebung der Daten fließen unter anderem Tore, Vorlagen und Siebenmeter ebenso in die Wertung ein wie Fehlwürfe, Zwei-Minuten-Strafen und Ballverluste. Angeführt wird das interne Ranking von Xenia Smits und Marlene Zapf.

Am Donnerstag geht es für die deutsche Auswahl nun in der Hauptrunde weiter, wo bislang Kroatien als einziger Gegner feststeht. Um die weiteren zwei Tickets kämpften am Dienstagabend Ungarn, Serbien und die überraschend noch immer sieglosen Weltmeisterinnen aus den Niederlanden.

»Keine Mannschaft weiß genau, wo sie steht, bis auf Norwegen vielleicht«, sagte der Bundestrainer zu dem ungewöhnlichen Turnier unter Corona-Bedingungen. »Alle anderen Mannschaften suchen - unsere auch.« Wie weit sein Team nach einer Vorbereitung ohne Testspiele tatsächlich noch von der Topform entfernt ist, zeigte sich in fast allen Partien der Vorrunde. »Bislang haben unsere erfahrenen Spielerinnen dem Turnier noch nicht ihren Stempel aufgedrückt, aber der Zug ist nicht abgefahren«, sagte Kromer: »Es ist noch nichts verloren. Die Ausgangsposition, mit zwei Punkten in die Hauptrunde zu starten, ist gut.«Agenturen/nd

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