- Kultur
- Sufi Dub Brothers
Getrenntes Doppel
Plattenbau
Irgendwas mischt sich immer in der Musik, sofern sie nicht auf krampfhafte Vermeidung von Berührung aus ist. Wie Marschmusik und so weiter, aber das will ja kein Mensch hören, der nicht bescheuert ist. Im besten Fall fließt alles bewusst und trotzdem frei ineinander, zum Beispiel im Jazz, sofern er nicht von Till Brönner oder so jemandem gespielt wird.
Auch in der elektronischen Musik. Der Sampler sei das ideale Instrument, hat der Hamburger Musiker Viktor Marek einmal gesagt, denn man könnte alles reinladen. Heraus kommen bei ihm Tracks, in die Marek offenbar die britische Club-Music von Acid bis Two Step reingeladen hat. Und Dub. Ashraf Sharif Khan spielt Raga auf der Sitar, und ich habe keine Ahnung von pakistanischer Musik, aber es klingt so klug und schön, dass auch der Ahnungslose merkt, dass hier die beste Form der Virtuosität am Wirken ist. Nämlich die, der es nur auf die Musik ankommt und nicht auf die Präsentation des eigenen Könnens.
Marek hat die Elektronik auf einem der besten Alben gemacht, die im Umfeld der sogenannten Hamburger Schule, die Älteren werden sich erinnern, entstanden sind, auf Knarf Rellöms »Fehler is King« (1999). Und dann gab es noch die Projekte 8 Doggymoto und die Kings of Dub. Ashraf Khan gehört, wie bereits sein Großvater und sein Vater, zu den weltweit besten Sitarspielern. Er lebt in Hamburg, unterrichtet und gibt Konzerte.
Die Kooperation mit Viktor Marek sei seine erste Berührung mit elektronischer Musik gewesen, sagt Khan. Das merkt man ihren ersten gemeinsamen Album »Sufi Dub Brothers« überhaupt nicht an. Beide Musikspuren fügen sich genau ineinander und bleiben trotzdem immer als gleichberechtigte Bestandteile für sich. Die Sitar ist hier anders als bei bisherigen Dub-Raga-Crossover-Versuchen (etwa von Improvisators Dub) kein Gimmick. Khan und Marek haben auf ihrem Debütalbum eine, sagen wir einmal, Mischungsmethode erfunden, die zumindest ich im Pop so bislang noch nicht wahrgenommen hatte, obwohl sie eigentlich naheliegt. Mit World Music hat das nix zu tun.
Zwei musikalische Traditionen gehen zusammen und bleiben trotzdem vollständig getrennt voneinander präsent. Würde man Mareks Beitrag auf die rechte Box und Khans Beitrag auf die linke und dann jeweils eine davon runterdrehen, es wären jeweils in sich abgeschlossene Stücke beziehungsweise Tracks zu hören. Beide Spuren zusammen ergeben aber etwas vollkommen Neues. Und das klingt einfach toll.
Ashraf Sharif Khan/Viktor Marek: »Sufi Dub Brothers« (Fun in the Church / H’Art)
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