Vorwürfe gegen deutschen Trainer
Para-Schützen klagen über Schikane und Machtmissbrauch
Mobbing und Machtmissbrauch - oder doch nur üble Nachrede? Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) wird bei den Paralympics in Tokio von einem Skandal um Rudolf Krenn, Bundestrainer der Para-Sportschützen, erschüttert. Der DBS sah sich am Freitag nach schweren Vorwürfen gegen Krenn genötigt, dem Coach demonstrativ den Rücken zu stärken. »Rudolf Krenn besitzt als Bundestrainer Para Sportschießen weiterhin das volle Vertrauen der Verbandsführung sowie von weiten Teilen der Nationalmannschaft«, teilte der DBS mit.
Para-Schützin Elke Seeliger hatte vor ihrem Start in Tokio im »Spiegel« erklärt, dass sie sich von Krenn, der seit 2013 Bundestrainer ist, »nicht weiter kaputtmachen« lasse. Von einer toxischen Umgebung, fehlender Empathie, Machtmissbrauch und Schikane ist in dem Bericht die Rede. Krenn selbst nannte die Vorwürfe in dem Artikel »haltlos«. Dies sei alles als »üble Nachrede« zu werten.
Die frühere Paralympics-Siegerin Manuela Schmermund legte in der ARD am Freitag jedoch nach. Sie habe »so eine Art, mit Menschen umzugehen, gerade mit Menschen mit Behinderung, noch nie erlebt«. Krenn habe sie angebrüllt und »versucht, mich zu diskreditieren«. Sabine Kames, ebenfalls frühere Nationalkaderschützin, berichtete, sie habe Angst vor Krenn gehabt. Laut Philip Bernhard, Landestrainer im niedersächsischen Sportschützenverband, seien die Anschuldigungen dem DBS offiziell gemeldet worden. Der Verband habe die Hilferufe aber nicht ernst genommen und den Trainer gedeckt.
Karl Quade, bei den Paralympics Chef de Mission des gesamten deutschen Teams und Vizepräsident Leistungssport beim DBS, wies dies in der ARD zurück. »Den Schuh ziehe ich mir nicht an, dass da irgendjemand gedeckt wird. Wir haben das nach bestem Wissen und Gewissen aufgearbeitet. Es wundert mich, dass das jetzt aufkommt«, sagte Quade. Man werde aber weiter im Gespräch bleiben. Und wenn es neue Dinge gebe, »werden wir die auch neu bewerten«.
Der DBS hatte zuvor schon mitgeteilt, dass man »mit den Beteiligten unverzüglich ein erneutes Gespräch führen« werde. Zahlreiche der genannten Vorfälle seien jedoch bereits »intensiv aufgearbeitet worden«. Für die Paralympics habe der DBS mit Seeliger bereits eine »einvernehmliche Lösung« gefunden. Sie wird in Tokio nicht von Krenn betreut.SID/nd
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