Besser nicht laufen lassen

Da die vierte Corona-Welle Fahrt aufnimmt, sollte jetzt eine Grundsatzfrage beantwortet werden

Auch wenn es viele nicht mehr hören können oder hören wollen: Die Corona-Pandemie ist noch da. Mit dem überraschend rasanten Anstieg der Inzidenz auf über 100 wird sich die Öffentlichkeit und auch die Politik wieder verstärkt mit dem fast schon abgehakten Problem befassen müssen.

Sicher, das große Sterben wie im vergangenen Winter droht glücklicherweise nicht mehr. Sehr viele Leute sind geimpft oder haben die Infektion schon durchgemacht. Doch wenn die Fallzahlen unkontrolliert durch die Decke schießen, wie es im ganz geöffneten Großbritannien der Fall ist, werden auch die Krankenhausbelegungen stark ansteigen und die Zahl der Todesfälle. Es braucht spätestens jetzt eine Debatte darüber, wie die Reaktion aussehen müsste. Hier braucht es eine Abwägung zwischen den Interessen der vielen Bürger, die langsam genug von den Maßnahmen haben, sowie denen der Ungeschützten.
Um einen Lockdown geht es in der Endphase der Pandemie natürlich nicht mehr. Aber es stellt sich die Frage, ob man die Welle wirklich wie bisher laufen lässt und den Geimpften per 2G ein normales Leben ermöglicht. Damit würden die politischen Botschaften für diesen Winter lauten: Wir lassen eine rasche Durchseuchung der Bevölkerung zu. Wer nicht geimpft ist und in der vierten Welle stirbt, ist selber schuld. Dies ist aber nicht nur zynisch, sondern setzt auch die Hochrisikogruppen, die trotz Impfung mit schwerem Krankheitsverlauf rechnen müssen, unnötigen Gefahren aus.

Besser wäre es, die Handbremse wieder etwas anzuziehen. Welche Maßnahmen gegen die Ausbreitung auch der Delta-Variante des Virus helfen, wissen wir ja. Diese sind nicht schmerzhaft, sondern bestenfalls lästig. Zumal es auch nur noch um eine letzte Kraftanstrengung geht, bevor Corona zum endemischen Virus schrumpft.

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