- Berlin
- Grüne in Brandenburg
Würdelose Sprüche über Arbeitslose
Brandenburgs Ökopartei verteidigt Bürgergeld gegen Falschbehauptungen der CDU
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) schickt vom Klimagipfel eine Videobotschaft an ihre Brandenburger Parteifreunde, die sich am Samstag zu einer Landesdelegiertenkonferenz in der Stadthalle von Falkensee treffen beziehungsweise via Internet zugeschaltet sind.
Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), ist persönlich vor Ort und teilt gegen die CDU aus, die am Freitag im Bundesrat das Bürgergeld durchfallen ließ, mit dem das unsoziale Hartz-IV-System abgelöst werden soll. Es sei eine Falschbehauptung, dass das Bürgergeld üppiger ausfalle als der gesetzliche Mindestlohn und sich arbeiten nicht mehr lohnen würde. „Verheerend» nennt es Kellner, Flüchtlingen „Sozialtourismus» zu unterstellen. Damit meint er Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU). Die Regionalbahnstrecke 63 zwischen Templin und Joachimsthal in Zeiten der Klimakrise stillzulegen, bezeichnet Kellner als „Irrsin» und zielt damit auf den verantwortlichen Verkehrsminister Guido Beermann (CDU).
In der rot-schwarz-grünen Koalition erzwang die CDU, dass Brandenburg dem Bürgergeld im Bundesrat nicht zustimmen durfte, sondern sich der Stimme enthalten musste. Das nennt Landessozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) in Falkensee „schäbig». Sie will keine neuen Debatten über „soziale Hängematten», in denen es sich Arbeitslose angeblich bequem machen, und über „spätrömische Dekadenz». Mit der Äußerung, wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspreche, lade zu spätrömischer Dekadenz ein, hatte einst der inzwischen verstorbene FDP-Spitzenpolitiker Guido Westerwelle provoziert.
Auch die Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang macht in Falkensee klare Ansagen an die CDU. Diese habe viele Jahre lang den Ausbau von Windkraft und Solarenergie verschlafen und Deutschland in eine Abhängigkeit von russischem Gas manövriert. Stehend applaudieren die Delegierten ihrer Bundesvorsitzenden.
-
/ Andreas FritscheCDU in Berlin: Schmale Tische, breite BrustDie Berliner CDU will die Bundestagswahl gewinnen und nominiert ihre Kandidaten auf der Landesliste
-
/ Andreas FritscheKoalitionsverträge sind geduldigZur Einigung von SPD und BSW in Brandenburg
-
/ Andreas FritscheRechtsruck der JugendBei Junior- und Jungwählern in Brandenburg liegt die AfD vorn
Vor zwei Jahrzehnten führten die Grünen Hartz IV zusammen mit der SPD ein. Inzwischen versuchen sie in Brandenburg, nicht mehr nur mit Umweltschutzpolitik zu punkten, sondern auch ein soziales Gesicht zu zeigen. Anträge zur Sozialpolitik rutschen aber vor Parteitagen regelmäßig in der Rangliste hinter die Initiativen zum Klimaschutz und werden dann nicht behandelt. Immerhin: Eine Delegierte wünscht sich in Falkensee genau deswegen eine Änderung der Verfahrensweise.
Beschlossen wurde ein Antrag der Grünen Jugend und der AG Demokratie, Recht und Antifaschismus, alles zu versuchen, um das von Innenminister Stübgen geplante Abschiebezentrum am Flughafen BER zu stoppen.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.