Gnadenlos durchziehen

Cottbus - Lautern 1:2: Wollitz will einen Umbruch in der Mannschaft

  • Matthias Koch, Cottbus
  • Lesedauer: 3 Min.

Der kleine Junge konnte sein Glück kaum fassen. Gemeinsam mit seinem Vater jubelte er ausgiebig über ein Trikot von Emil Jula, dass der rumänische Stürmer des Zweitligisten FC Energie Cottbus wenige Minuten nach dem Abpfiff der Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern dem Knirps überreichte.

Alle anderen Energie-Fans unter den 12 670 Zuschauern werden diesen Freitagabend in unangenehmer Erinnerung behalten. Cottbus verlor nicht nur die Partie mit 1:2 (1:1), sondern ein weiteres Stückchen Respekt bei der Konkurrenz. »Der eine oder andere im Umfeld, der vorher vielleicht zu hohe Ziele hatte, wird nach so einem Spiel verstanden haben, dass es eben doch nicht so einfach geht«, sagte der enttäuschte Cottbuser Torhüter Gerhard Tremmel.

Das einst gefürchtete Stadion der Freundschaft verkommt inzwischen selbst in Liga zwei zum Selbstbedienungsladen. Im fünften Heimspiel setzte es trotz einer meist ausgeglichenen Partie die dritte Niederlage. Zum fünften Mal 2009/2010 verloren die Lausitzer zudem nach eigener Führung.

Diesmal reichte das 1:0 von Leonard Kweuke nicht. Zwischen der Nachspielzeit der ersten Hälfte und der 54. Minute drehten die Pfälzer durch Ivo Ilicevic und Dragan Paljic die zunächst vom FC Energie diktierte Begegnung. »Wir haben wieder mal geführt. Insofern sind wie nicht so weit von der Situation entfernt, in der Tabelle besser zu stehen. Ob wir dahin gehören, ist eine andere Frage«, sagte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Wollitz hatte viel versucht. Seine Elf konnte die weiterhin ungeschlagenen Lauterer phasenweise mit einer Drei-Stürmer-Taktik überraschen. Der erstmals von Beginn an spielende Kameruner Leonard Kweuke traf prompt. Und nach dem Rückstand schickte Wollitz mit Nils Miatke und Clemens Fandrich zwei junge Kicker für die erfahrenen Routiniers Stanislav Angelov und Sergiu Radu auf den Rasen. Die Belohnung für so viel Mut blieb jedoch aus, weil Marco Kurth, Emil Jula und Leonard Kweuke bei ihren Torgelegenheiten scheiterten.

Ein Punktezuwachs hätte den Gastgebern gut getan. Schließlich muss die Mannschaft nun zweimal in Folge auswärts antreten – und das ausgerechnet bei den Spitzenteams FC St. Pauli und Arminia Bielefeld. »Ich bin mir nach wie vor sicher, dass in diesen beiden Partien etwas möglich ist. Jetzt können die Spieler ihren Charakter zeigen«, meinte Wollitz. Seiner Meinung nach wird mit der Rückkehr derzeit verletzter Akteure eine Art Selbstreinigungsprozess einsetzen. »Dann wird sich der eine oder andere Spieler noch mehr auf der Bank oder der Tribüne wiederfinden. Jetzt ziehe ich das Ding gnadenlos durch«, drohte Trainer Wollitz. »Ich denke, dass das der Verein mehr denn je braucht. Ich weiß, dass der für mich positive Umbruch am Ende belohnt wird.« Das von Wollitz zum Stammspieler gemachte Eigengewächs Alexander Bittroff scheint davon jedoch noch nicht ganz überzeugt zu sen. Der 21-Jährige lehnte in der vergangenen Woche eine vorzeitige Verlängerung seines bis 2010 laufenden Vertrages ab.

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