Bayern träumen von Großem

Champions League: Münchner trotz 2:3 in Florenz im Viertelfinale

  • Tom Mustroph, Florenz
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit dem Wunsch, den Spielern des FC Bayern München die Lederhosen auszuziehen, tritt manche Mannschaft in der Bundesliga an. Der AC Florenz hat den Bayern im Achtelfinalrückspiel der Champions League auch Handschuhe und Pulswärmer ausgezogen. Mit 3:2 gewannen die zuvor unterschätzten Italiener ein spannendes Spiel, die Bayern aber sind nach dem 2:1-Erfolg im Hinspiel dank der auswärts mehr erzielten Tore in der nächsten Runde. »Das ist eine Niederlage, mit der der FC Bayern gut leben kann«, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. »Wir haben unser Ziel erreicht. Wir sind unter den besten Acht in Europa.«

Dieses Ergebnis ist jedoch mit dem Makel des Abseitstors von Miroslav Klose aus dem Hinspiel behaftet. Die von Trainer van Gaal ausgegebene Marschrichtung, ein Resultat zu erzielen, das den späten Siegtreffer in München obsolet macht, wurde verfehlt. Früh zeigte sich am Dienstagabend der Gegensatz zwischen einem Team, das ein Schicksalsspiel bestritt und einem, das nur gewillt war, Routine abzuliefern. »Wir gehen in die Geschichte ein, wenn wir weiterkommen«, hatte Fiorentina-Trainer Cesare Prandelli angekündigt.

Anfangs gelang beiden Teams nur wenig Konstruktives. Die Spieler machten den Eindruck, als hätte sie der plötzliche Wintereinbruch in der Toskana mit stürmischen eisigen Windböen festgefroren. Sie bewegten sich abgehackt, Bälle versprangen, im Mittelfeld bildeten sich unproduktive Knäuel. Wie aus dem Nichts fiel Mitte der ersten Halbzeit das 1:0 für die Gastgeber. Bayern-Keeper Hans-Jörg Butt reihte sich in die Versammlung der Verfrorenen ein und ließ einen nicht sonderlich gefährlichen Fernschuss von Marco Marchionni prallen. Der agile Linksaußen Juan Vargas nutzte die Vorlage, traf und brachte so Feuer ins Spiel. Angetrieben von den Tifosi war die Heimmanschaft nach der Pause vom Willen beseelt, nachzulegen. Mit Erfolg, denn schon neun Minuten nach Wiederanpfiff bediente Alberto Gilardino Mitspieler Stevan Jovetic, der zum 2:0 einschoss. Das Stadion tobte.

Die Bayern erwachten aus ihrer taktisch verordneten Lethargie. Franck Ribéry hielt es nicht mehr auf dem linken Flügel. Der Franzose drängte in die Mitte und riss seine Kollegen mit. Aus einem der zahlreichen Ballverluste beider Seiten entwickelte sich ein Angriff, den van Bommel mit überlegtem Distanzschuss zum 2:1 abschloss (60. Minute). Das Spiel war wieder offen und in die Münchner Herrlichkeit fiel prompt das 3:1 durch Jovetic (64.), das den Italienern für das Weiterkommen gereicht hätte. Doch Arjen Robben, der beste Münchner, antwortete unmittelbar darauf mit einem Kunstschuss aus mehr als 25 Metern (65.).

»Ich habe nie an unserem Weiterkommen gezweifelt. Selbst wenn Florenz zwei Tore macht, können wir immer noch reagieren«, sagte Bayerns Kapitän Mark van Bommel. Diese Selbstsicherheit wird immer mehr zum Markenzeichen der Bayern. Sie drückt sich noch nicht in einer kontinuierlich souveränen Spielweise aus. Aber das von keinem Selbstzweifel getrübte Gemüt des Trainers Louis van Gaal färbt so stark auf seine Untergebenen ab, dass man bereits wieder von der alten Arroganz der Bayern sprechen kann. Der Erfolg stellt sich dann fast austomatisch ein, das Team träumt bereits von Größerem.

»Diese Mannschaft kann es noch weit bringen«, prophezeite Franck Ribéry. »Wir können alle Wettbewerbe, in denen wir sind, auch gewinnen.« Der nächste Gegner in der Champions League wird am 19. März im schweizerischen Nyon ausgelost. Auf ein Hammerlos würden die Bayern aber bei allem Selbstbewusstsein gerne verzichten. »Mir wäre es lieber, den Topfavoriten wie Barcelona oder Chelsea aus dem Weg zu gehen«, sagte Philipp Lahm.

Achtelfinale Rückspiele:

Hin

AC Florenz - *FC Bayern 3:2 1:2
*Arsenal London - FC Porto 5:0 1:2

Teams mit * im Viertelfinale.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -