»Palmöl aus Angebot nehmen«

Ikea kann bei Kerzen und Teelichten keine Nachhaltigkeit garantieren

  • Antje Stiebitz
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Initiative »Rettet den Regenwald« erklärte den 16. April kurzerhand zum »Tag für Palmölopfer« und übergab gestern 28 000 Unterschriften an die Ikea-Filiale in Berlin-Tempelhof.
Aktivisten der Initiative »Rettet den Regenwald« vor der Ikea-Filiale Berlin-Tempelhof.
Aktivisten der Initiative »Rettet den Regenwald« vor der Ikea-Filiale Berlin-Tempelhof.

»Für die Produktion seiner Kerzen und Teelichte verwendet Ikea Palmöl und trägt so aktiv zur Zerstörung des Regenwaldes bei«, erklärt Klaus Schenck, Wald-Referent der Initiative »Rettet den Regenwald«. Um Palmöl anzubauen, würden in den Tropen riesige Flächen gerodet. Das habe die Vertreibung von Menschen, den Verlust der Artenvielfalt und die Freisetzung von Kohlenstoff zur Folge.

Zu den Hauptbestandteilen von Ikeas Kerzen und Teelichten zählten pflanzliches Wachs und Stearin, so die Initiative. Hinter diesen Begriffen verberge sich allerdings meist Palmöl. Dieses sei pro Tonne rund 250 Euro günstiger als Paraffin und mache die erschwinglichen Preise der Möbelhauskette erst möglich. Der größte Teil des Palmöls stamme aus Malaysia und Indonesien. Schenck hält eine Packung Ikea-Kerzen in die Höhe: »Hier steht nur ›Made in Germany‹ drauf. Es ist für den Käufer nicht nachzuvollziehen, wo die Produktbestandteile herkommen.«

Auf eine E-Mail der Initiative hat Ikea geantwortet, dass man bei Palmöl keine Nachhaltigkeit garantieren könne und verwies auf seine Mitgliedschaft beim Industriesiegel »Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl« (RSPO). Doch das Siegel gilt nur für einen Teil der Kerzen, wie aus einer Antwort Ikeas an die Initiative zu entnehmen ist: »Heute werden einige unserer Kerzen aus zertifiziertem Palmöl hergestellt, und unser langfristiges Ziel ist es, alles Palmöl zertifizieren zu lassen.« Aktivist Schenck sieht in der Zertifizierung durch das Siegel keine Lösung. Ob sich dadurch etwas verändere, sei fraglich. Schließlich würden die Standards des Palmölsiegels die Rodung des Regenwaldes nicht ausschließen.

Nach Ansicht von »Rettet den Regenwald« hätte Ikea mit seiner Marktposition die Möglichkeit, ein wichtiges Zeichen gegen die Verwendung von Palmöl zu setzen. Um Ikea aufzufordern, das Palmöl aus dem Sortiment zu nehmen, sammelte die Initiative seit Anfang Februar Unterschriften. Zusammengekommen sind 28 000 aus ganz Europa.

Am Freitag übergab Schenck die Unterschriftensammlung Vertretern der Ikea-Filiale Berlin-Tempelhof. »Durch unsere Aktionen wollen wir Öffentlichkeit schaffen, auf diese Themen aufmerksam machen und die Firmen unter Druck setzen«, erklärt Schenck.

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