Turbine verteidigte Titel

Potsdams Frauen sicherten sich vorzeitig die Meisterschale

  • Oliver Händler, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.

Theo Zwanziger wollte nicht enttäuscht werden von »seiner Mannschaft«, doch die Fußballerinnen des 1.FFC Turbine Potsdam ließen ihn über eine Stunde lang zittern. Von Enttäuschung war am Ende aber keine Spur. Zwanziger durfte Kapitän Jennifer Zietz einen Spieltag vor Ende der Bundesliga die umjubelte Meisterschale überreichen. Potsdam hat durch das 1:0 gegen den SC Bad Neuenahr seinen Titel verteidigt und ist zum vierten Mal gesamtdeutscher Meister.

Von Anfang an setzte Turbine die Gäste unter Druck und kam schon in der 4. Minute zur ersten Chance durch Fatmire Bajramaj. Romina Holz im Tor der Überraschungsmannschaft der Saison aus der Eifel konnte den Schuss jedoch über die Latte fliegen lassen. Den Sturmlauf der Anfangsviertelstunde komplettierten Viola Odebrecht und Babett Peter per Kopf sowie Jennifer Zietz per Fernschuss jeweils knapp daneben. Die Fans waren dankbar und alles andere als nervös, lag die Führung doch in der Luft.

Als es nach 45 Minuten jedoch immer noch 0:0 stand, wurden Trainer Bernd Schröder und die Zuschauer ungeduldig. »Is' ja wie bei Hertha: Nüscht jeht rin«, brüllte der lauteste Turbine-Fan durch das Karl-Liebknecht-Stadion. Allein Anja Mittag ließ in der ersten Halbzeit vier gute Chancen aus.

Die Gäste blieben für einen Liga-Sechsten erschreckend harmlos, igelten sich aber zu elft in der eigenen Hälfte ein und zerstörten effizient Potsdams Kombinationsspiel. »Eine Mannschaft nach der anderen kommt hier her und stellt sich hinten rein, um nicht abgeschossen zu werden«, regte sich Jennifer Zietz später auf. »So kommt der Frauenfußball nicht weiter.«

Vor den Augen von 2816 Zuschauern und jeder Menge Prominenz von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck bis zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes und Turbine-Mitglied Theo Zwanziger, der siegesgewiss die Meisterschale mitgebracht hatte, ließen die Potsdamerinnen auch nach der Pause viele Chancen aus. »Jeder erwartet, dass wir Meister werden. Wir haben Druck«, hatte Schröder vor der Partie gesagt, und so langsam war der auch bei seinen Spielerinnen sichtbar.

Erst in der 68. Minute blieb es Abwehrspielerin Bianca Schmidt überlassen, per Kopf die Schleusentore für den Jubel der Zuschauer zu öffnen. »Der sollte genau dahin. Ein überragendes Gefühl, dass es so geklappt hat«, sagte die Torschützin über ihren platzierten Kopfball. Bad Neuenahr blieb auch weiterhin komplett chancenlos. Selten ging ein so einseitiges Fußballspiel nur 1:0 aus. Doch das war dann auch egal.

Es folgte der übliche, doch immer wieder stimmungsvolle Meisterjubel mit Hüpfkreis, Medaillen, Meistertrikots und Sektdusche für Trainer und ND-Reporter. »Ich muss mich bei der Mannschaft bedanken. Wir haben den mit Abstand besten Fußball gespielt über die Saison. Wir brauchten diesmal kein Glück wie in der letzten Saison, deshalb ist mir diese Meisterschaft sehr wichtig«, zeigte sich Bernd Schröder zufrieden, aber nicht überglücklich. »Wir waren eine ganze Saison lang souverän, nur leider heute nicht.«

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.