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Problemlöser
Uwe Krupp / Der EishockeyBundestrainer (44) führte sein Team ins Viertelfinale der Heim-WM
Es ist ein komfortables Problem, vor dem Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp bei der Heim-WM plötzlich steht. Denn nachdem sein Team in Vancouver beim Olympiaturnier im Februar zwar ordentlich spielte, jedoch sieglos als Elfter heimkehrte, hat das Erreichen des WM-Viertelfinales am Dienstag bereits die kühnsten Träume erfüllt. Und der 44-Jährige, seit 2005 im Amt, muss sich nun überlegen, wie er seine Spieler auf einen großen Wurf einschwört: »Für die meisten Jungs war das Viertelfinale das Ziel. Jetzt werden wir uns zusammensetzen und sehen, wie hoch wir zielen. Dann gehen wir es an.«
Eigentlich ist Deutschland ein Eishockey-Zwerg: Die letzte WM-Medaille gelang 1953: Silber. Nie kam die Auswahl seither unter die besten Vier. 2009 war sie sportlich abgestiegen, blieb nur als Gastgeber im Starterfeld der 74. WM. Krupp führt gern das Beispiel an, dass in Kanada allein 45 000 Frauen Eishockey spielen, in Deutschland nicht mal 25 000 Männer: »Und da zähle ich auch noch dazu.« Der 1,96 Meter große Ex-Profi der Kölner Haie (Spitzname: Dom), spielte viele Jahre in der nordamerikanischen NHL und gewann als einziger Deutscher den Stanley Cup, die Meistertrophäe: 1996 mit Colorado, 2002 mit Detroit. 1996 markierte der »Stay-at-home«-Verteidiger sogar das entscheidende Tor.
Auch als Trainer setzt er auf Defensive: 2:1, 1:0, 3:1, 2:3, 1:2, 2:1 – die deutschen WM-Resultate klingen eher nach Fußball. Der in Kalifornien lebende Krupp hat unbeirrt viele junge Spieler für das Turnier berufen. Er fordert Disziplin, er bestimmt, welche Kleidung die Spieler draußen anziehen: Hemd und Anzug. Dass er auf den besten Torschützen der Deutschen Eishockey Liga verzichtete, hielten viele für zu gewagt. Noch vor der WM wurde spekuliert, wer sein Nachfolger werden könnte.
Wenige Tage vor WM-Beginn trat all das für Krupp in den Hintergrund. Bei seiner Frau Valerie (36) wurde Brustkrebs diagnostiziert. Krupp flog zu ihr, wollte den Job hinschmeißen. Nur weil sie es von ihm verlangte, bestreitet er die WM. Wie es aber danach weitergeht, sei »sehr, sehr offen«, meint der Trainer, den alle wieder loben.
Seine Frau ist mittlerweile operiert. Womöglich wird er sich erst mal den größeren Problemen zuwenden.
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