Werbung

ILA-Himmel »ausverkauft«

Deutsche Luft- und Raumfahrtmesse ist nach wie vor militärisch dominiert

  • René Heilig
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Internationale Luft- und Raumfahrtmesse (ILA) in Berlin-Schönefeld wird am 8. Juni durch die Bundeskanzlerin eröffnet. Mit 1150 Ausstellern ist die Show restlos »ausverkauft«.

100 000 Quadratmeter Freigelände, 14 Messehallen mit über 50 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche – die ILA ist gerüstet. Doch im Grunde ist alles wie immer. Die erwarteten 200 000 Besucher – 125 000 davon sollen aus fachlich-kommerziellen Gründen erscheinen – werden die Messe so vorfinden wie in den vergangenen Jahren. Nur noch bedeutender. In der Tat ist der Industriezweig wichtig für die deutsche Volkswirtschaft. Trotz Krise gelang es der Luft- und Raumfahrtindustrie 2009, den Umsatz um vier Prozent auf das Rekordergebnis von 23,6 Milliarden Euro zu steigern. Die Anzahl der Beschäftigten stieg moderat um 0,8 Prozent im Vergleich zu 2008 auf 93 700.

Es gebe, so Messe-Berlin-Projektdirektor Stefan Grave, in diesem Jahr jede Menge »spektakuläre Highlights«. Klingeln gehört zum Handwerk, kann aber den real eher gedämpften Düsenklang nicht zur Jubelmelodie transponieren. 25 Premieren sind angekündigt, keine bietet wirklich Neues. Drei A 380-Riesen von Airbus, Lufthansa und den Emirates werden sich abwechseln, der militärische Airbus-Kummervogel A400M soll sich für drei der sechs Ausstellungstage zeigen. Auch der NH-90 Hubschrauber wird wieder gezeigt, auch wenn er noch immer nicht so flugtauglich ist, wie es der Vertrag zwischen dem Mutterkonzern EADS und dem deutschen Militär vorschreibt.

Interessant ist, was nicht gezeigt wird: beispielsweise die Erzeugnisse der Konkurrenz. Die mit einem roten Stern sucht man vergeblich in den Ausstellungslisten. Warum? Die Ausreden von Grave sind peinlich. Die Luftwaffen, so sagt er, würden sich gegenseitig einladen, doch habe man aus Moskau nur Absagen erhalten.

Vermutlich hat die Abstinenz russischer Konstruktionsbüros ganz andere Ursachen. Auf dem europäischen Rüstungsmarkt nicht so sehr gelitten, orientieren sich die russischen Waffenexporteure mehr auf den asiatischen und arabischen Markt. Dort machen Suchoj, MiG und andere ihre Geschäfte. Deshalb zeigen sie lieber bei dortigen Waffenbörsen, dass man dem Eurofighter überlegen ist.

Doch es gibt auch echte Neuerungen auf der ILA. Neben Lockheed Martin, Northrop Grumman und Raytheon ist nun auch Boeing in Schönefeld präsent. Zwar nur mit einem Teil der Rüstungssparte, doch immerhin scheint die bisherige strikte Verweigerungshaltung des Airbus-Konkurrenten aus den USA aufgeweicht zu sein.

Rüstung ist noch immer das dominierende ILA-Element. Nur 35 Prozent des Ausgestellten sei militärisch dominiert, sagen die Aussteller. Die mitregierende Linkspartei in Brandenburg moniert, dass die Hälfte mit Krieg zu tun hat. Wer die gemeldeten Exponate exakt addiert, kommt auf 45 Prozent. Doch, so fragt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Dietmar Schlick: »Wie will man eigentlich Ziviles von Militärischem trennen?«

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -