Schuldfrage nach Massenpanik
16 Verletzte bei Testspiel Nigeria - Nordkorea
Blutige Bilder von einem Testländerspiel haben kurz vor Beginn der Fußball-WM für einen Schock gesorgt. Bei einer Massenpanik vor dem Makhulong-Stadion nahe Johannesburg sind am Sonntag 16 Menschen verletzt worden. Mehrere tausend Fans hatten vor dem Freundschaftsspiel der nigerianischen Nationalmannschaft gegen das Team Nordkoreas versucht, die Tore zu stürmen. Zwar waren vor dem Spiel 10 000 Karten kostenlos an Fans verteilt worden, allerdings versuchten nach Behördenangaben dann viele, ohne eine Karte ins Stadion zu kommen. Dabei stürzten viele, andere wurden niedergetrampelt.
Unter den Verletzten befinden sich auch Kinder und zwei Polizeibeamte, teilte der Sprecher der südafrikanischen Sicherheitsdienste, Roger Mamaila gestern mit. Eine Frau habe von einem Beamten wiederbelebt werden müssen, hieß es in Medienberichten. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde das Spiel wegen der Zwischenfälle für etwa 10 Minuten unterbrochen. Die meisten Zuschauer waren offensichtlich Fans der nigerianischen Mannschaft, viele trugen Trikots des Teams aus Westafrika.
Nigerias Verband bedauerte die Zwischenfälle, machte aber auch deutlich, dass man beim Austragungsort des Testspiels keine Wahl gehabt habe. »Das war der einzige Platz, der zur Verfügung stand«, sagte das nigerianische Delegationsmitglied Taiwo Ogunjobi. »Die FIFA kontrolliert alle Stadien, die für uns sonst infrage gekommen wären.« Die Polizei kritisierte den Weltverband scharf. »Die FIFA hat gewollt, dass der Eintritt gratis ist. Das haben sie nun davon«, erklärte ein Beamter.
Da das Freundschaftsspiel nicht unter der Aufsicht des Weltverbandes FIFA stand, war kein Sicherheitsdienst der Weltmeisterschaft anwesend. »Wir bedauern diesen Vorfall natürlich und sehen ihn als Alarmsignal. Aber die Verantwortung für die Sicherheit liegt einzig beim Ausrichter«, sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter am Montag im Sandton Convention Centre von Johannesburg. Der Weltverband sei in keiner Phase in die Organisation involviert gewesen.
Trotz der Vorfälle ist Blatter nach wie vor von einer sicheren Endrunde überzeugt. »Die WM wird beweisen, dass Südafrika so etwas stemmen kann. Ich versichere, dass bei keinem einzigen Spiel etwas passieren wird«, sagte Blatter vier Tage vor dem Eröffnungsspiel am Freitag zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko.
Der Gastgeber reagierte prompt und trainierte am Montag fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nur 250 Zuschauer kamen in das kleine Stadion Sturrock Park in Johannesburg. »Wir haben den Termin so gut es geht unter Verschluss gehalten«, sagte Sprecher Matlhomola Morake. dpa/ND
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