BP-Konzern treibt 50 Milliarden ein

Ölaustritt noch schlimmer als angenommen

  • Lesedauer: 2 Min.
Eine erneute Panne behindert das Abpumpen des weiter aus einem Bohrloch strömenden Öls im Golf von Mexiko. Derweil wurden neue Vorwürfe gegen den BP-Konzern laut.

London (Agenturen/ND). Auf der gesunkenen Ölplattform »Deepwater Horizon« hat es nach Angaben eines ehemaligen Mitarbeiters schon Wochen vor der Explosion Sicherheitsprobleme gegeben. Er habe einen Fehler an einer Dichtungsvorrichtung festgestellt und die zuständigen Vorgesetzten informiert, erläuterte Tyrone Benton der BBC. Statt das wichtige Teil zu reparieren, habe man es aber einfach abgeschaltet und sich auf eine zweite Sicherheitsdichtung verlassen, berichtete der britische Sender am Montag. BP verwies darauf, der Plattform-Besitzer Transocean sei für die Instandhaltung zuständig gewesen. Transocean wiederum gab an, man habe das Teil noch kurz vor der Explosion überprüft und für fehlerfrei befunden.

Am Wochenende musste der Tanker »Discoverer Enterprise«, der derzeit mit dem Abpumpen des Öls aus dem Wasser beschäftigt ist nach BP-Angaben seinen Pumpbetrieb wegen eines technischen Defektes für zehn Stunden einstellen. Er trat nach einem Brand auf dem Schiff vor einigen Tagen auf, vermutlich nach einem Blitzeinschlag.

Das Ausmaß der Ölpest könnte laut einem internen BP-Dokument noch verheerender sein als angenommen. Im schlimmsten Fall könnten aus dem lecken Bohrloch in über 1500 Metern Tiefe täglich bis zu 100 000 Barrel (15,9 Millionen Liter) Öl austreten, heißt es in dem Bericht des Ölkonzerns an den US-Kongress, den der demokratische Abgeordnete Ed Markey am Sonntag veröffentlichte. Derzeit schätzt die US-Regierung, dass bis zu 65 000 Barrel am Tag in den Golf von Mexiko fließen. Laut Markey geht es in dem Bericht um Risiken, wenn das kaputte Sicherheitsventil komplett entfernt würde.

Die Rechnung für BP steigt währenddessen stetig. Am Montag gab das Unternehmen bekannt, die Kosten für den Kampf gegen die Ölpest beliefen sich mittlerweile auf rund zwei Milliarden US-Dollar. Der britische Energiekonzern BP will einem Zeitungsbericht zufolge 50 Milliarden US-Dollar eintreiben, um ausreichend Barreserven für mögliche Schadenersatzforderungen zur Verfügung zu haben. Die Summe setzt sich aus dem Verkauf von Anleihen, einem Darlehen und dem Verkauf von Vermögenswerten in den kommenden zwei Jahren zusammen. BP hatte bereits der Zahlung von 20 Milliarden Dollar in einen Treuhandfonds für die Ölpestopfer zugestimmt.

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