Bonjour Tristesse
Der FC Schalke 04 bleibt weiter punktlos und grübelt über die Abwehr
Thomas Lipinski, SID
Raúl schrieb mit düsterer Miene Autogramme, Christoph Metzelder trabte lustlos Richtung Trainingsplatz, nur Felix Magath war nicht zu sehen. Am tristen Sonntagmorgen nach dem 1:2 (0:1) gegen Hannover 96 und dem schlechtesten Saisonstart seit 23 Jahren überließ der Trainer und Manager von Schalke 04 die Leitung der Übungseinheit bei Nieselregen seinen Assistenten. Magath hatte Wichtigeres zu tun: In der heißen Schlussphase der Transferperiode muss er nun retten, was noch zu retten ist.
Denn seine neuen Hoffnungsträger Raúl und Metzelder erwiesen sich bislang als Fehleinkäufe und sind mit verantwortlich, dass Schalke nach zwei Spieltagen mit null Punkten dasteht. Doch Magath verteidigte seinen Kurs entschieden. »Ich kann nicht aus Angst, dass etwas schiefgehen könnte, alles so belassen wie es war«, sagte er: »Wir werden mal schauen, wo wir noch überall nachrüsten. Wir haben ja noch Geld.«
Er bestätigte erstmals Verhandlungen mit dem AC Mailand. Vom ehemaligen Champions-League-Sieger soll der Niederländer Klaas-Jan Huntelaar für angeblich 13 Millionen Euro kommen und den Sturm verstärken, in dem Weltstar Raul auch gegen Hannover bitter enttäuschte. Da auch Metzelder, wie Raúl von Real Madrid gekommen, völlig von der Rolle ist, sehnten sich die Schalker Fans bereits nach Aussortierten wie Kevin Kuranyi, Heiko Westermann, Rafinha oder Marcelo Bordon. Durch Magaths Totalumbau ist vor allem das einstige Prunkstück Abwehr zum großen Problem geworden. Gegen Hannover hätten sich die Königsblauen auch über fünf oder mehr Gegentore nicht beklagen dürfen.
Magath zögerte nicht, dafür Metzelder verantwortlich zu machen. »Er wurde geholt, um die Abwehr zu stabilisieren. Das funktioniert momentan nicht. Er hat keine gute Phase. Was ihn so verunsichert, weiß er vielleicht selbst nicht«, sagte Magath. An den Schalker Fans, die den ungeliebten Ex-Dortmunder am Samstag schon bei der Vorstellung der Mannschaftsaufstellung auspfiffen, liegt es laut Magath nicht allein: »Christoph und ich waren uns darüber im Klaren, dass er nicht von allen mit Beifall empfangen werden würde. Jetzt müssen wir gemeinsam da durch.«
Der Ex-Nationalspieler gestand nach dem Fehlstart Probleme mit seiner Situation auf Schalke ein. »Völlig verunsichert bin ich nicht, aber jeder kann sich vorstellen, dass das alles auch nicht leicht für mich ist«, sagte der Abwehrspieler am Sonntag: »Ich muss das jetzt aushalten. Ich bin selber mit meiner Leistung nicht zufrieden. Deshalb habe ich auch mit Blick auf meine Vergangenheit Verständnis für die Reaktion der Fans, auch wenn ich darüber nicht glücklich bin.«
Kapitän Manuel Neuer machte Metzelder Mut. »Ich glaube, dass sich das ändert. Die Fans haben auch Andi Möller nicht geliebt, aber sie haben ihn akzeptiert, und wir haben mit ihm den Pokal gewonnen«, sagte der Nationaltorwart. Am Samstag schockierte die Schalker Fans vor allem die Planlosigkeit der Abwehr, die nicht nur bei den Gegentreffern von Konstantin Rausch (31.) und Mohammed Abdellaoue (49.) schlecht aussah.
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