Deibler-Brüder tauchen auf
Schwimmer Markus und Steffen mit je zwei Titeln bei Kurzbahn-EM – weitere sollen folgen
Vom Glanz der Goldmedaillen fiel einiges auf den Bundestrainer ab. Dirk Langes Brust schien noch ein wenig breiter, als er nach dem historisch erfolgreichen Auftakttag der Kurzbahn-EM mit sechs von acht möglichen Titeln über das deutsche Schwimmteam sprach. »So ein erster Tag ist Gold wert. Darauf können wir vieles aufbauen. Vor zwei Jahren waren wir mit fast der gleichen Mannschaft weit hinten«, resümierte Lange in Eindhoven. Dass viele Favoriten fehlten, wollte er nicht als Hauptgrund für den Siegeszug gelten lassen. »Wir können nur die schlagen, die da sind«, sagte der selbst- und sendungsbewusste Trainer.
In die gleiche Kerbe schlugen zwei seiner Lieblingsschüler. Die Brüder Steffen und Markus Deibler plauderten mit je zwei Goldmedaillen in der Hand über ihre ersten internationalen Titel. »Wir haben gezeigt, was wir drauf haben. Mit unseren Zeiten hätten alle Probleme gehabt«, sagte Steffen Deibler, der wie Markus in Weltjahresbestzeit zum Titel schwamm. Beide verhalfen auch der Lagen-Staffel zum Sieg, die das halbe Dutzend an Gold nach den Erfolgen von Paul Biedermann, Dorothea Brandt und Yannick Lebherz komplett machte.
Nach einer erfolgreichen Weltcupsaison sicherte sich der 23- jährige Steffen Deibler sein erstes internationales Gold, muss aber diesen Erfolg bei der Kurzbahn-WM Mitte Dezember in Dubai und vor allem in der wichtigeren Langbahnsaison bestätigen, wo Erfolge bisher Fehlanzeige waren. »Bei Steffen ist der Knoten geplatzt«, sagte Lange im Anschluss an den Erfolg über 50 Meter Freistil. Am Freitagabend (nach Redaktionsschluss) galt Deibler auch als klarer Favorit über 100 Meter Schmetterling.
Nach zwei Jahren im Amt sieht sich Lange auf dem Weg zu Olympia 2012 ein gutes Stück vorangekommen. »Endlich ist Zug in der Truppe, alle wollen nach und von vorn schwimmen.« Der 20-jährige Markus Deibler ist für Lange »der talentierteste Schwimmer, den wir haben«. Eine Mandeloperation warf ihn zu Jahresbeginn weit zurück. »Ich habe noch nicht alles aufholen können, was ich an Grundlagen verloren habe«, sagte Deibler, der sich bei seinen Rennen so sehr verausgabt, dass er regelmäßig kollabiert.
»Jetzt könnten wir eigentlich schon nach Hause fahren«, sagte Lange grinsend. Bereits zum Auftakt wurde das Ziel von mindestens zwölf EM-Medaillen zur Hälfte erfüllt – vor einem Jahr in Istanbul standen nach vier Tagen fünf Siege zu Buche. »Es kommen sicher wieder schlechtere Tage, man soll es auch nicht überbewerten«, relativierte er den Gold-Coup.
Und er hatte recht. Bereits am Freitag verpasste es zumindest der Darmstädter Yannick Lebherz, erneut für eine Überraschung zu sorgen und wurde nach Gold über 200 Meter Rücken auf der doppelt so langen Lagendistanz »nur« Zweiter.
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