Mehr Geld für Eisenbahner

Tarifabschluss zwischen Bahn und EVG

  • Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 2 Min.
Gut eine Woche nach dem Abschluss eines Branchentarifvertrags für Unternehmen des Schienenpersonennahverkehrs hat sich die Bahngewerkschaft EVG am Dienstag mit dem Vorstand der Deutschen Bahn AG (DB) auf eine mehrstufige maßvolle Lohnerhöhung geeinigt.

Der Tarifabschluss gilt für 135 000 Beschäftigte in DB-Tochterfirmen. Nach der bereits Ende 2010 erfolgten Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro für alle werden die Einkommen ab 1. März 2011 um 1,8 Prozent und ab 1. Januar 2012 um weitere zwei Prozent angehoben. Im Umfang dieser Lohnerhöhungen soll nun auch das Urlaubsgeld angepasst werden. Die Laufzeit des Vertrags endet am 31. Dezember 2012 und ist mit insgesamt 29 Monaten vergleichsweise lang. Vorstand und Tarifkommission nahmen das Ergebnis am Dienstag bei einer Gegenstimme an.

Darüber hinaus vereinbarten beide Seiten, dass die DB mindestens bis Ende 2012 einen Betrag von 50 Millionen Euro zur Verbesserung der betrieblichen Altersvorsorge einsetzt. EVG-Tarifexperte Heinz Fuhrmann bezifferte das vereinbarte Volumen auf insgesamt fünf Prozent. Dies sei angesichts der ursprünglichen Forderung von sechs Prozent ein »toller Erfolg«. Über gewerkschaftliche Forderungen etwa nach einer Verdoppelung der Ausbildungsquote soll weiterverhandelt werden.

Zügig wollen EVG und DB eine neue Regelung für den im Jahre 2005 vereinbarten und Ende 2011 auslaufenden Beschäftigungssicherungstarifvertrag (BeSiTV) finden. Zentrales Element dieses Vertragswerks ist der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Dafür hatten die Gewerkschaften damals allerdings auf einen Urlaubstag verzichtet. Wer sein bisheriges Einkommen halten wollte, der musste im Rahmen des BeSiTV statt der tarifvertraglich vereinbarten 38 Stundenwoche 40 Stunden arbeiten.

Beschäftigte, deren Arbeitsplatz entfällt, wechseln zur Tochterfirma DB Job Service, eine Art bahninterne Arbeitsagentur, die ihnen 80 bzw. 85 Prozent ihres bisherigen Einkommens zahlt. Von dort aus können sie in aller Regel befristet und prekär über die DB Zeitarbeit für Projekte eingesetzt werden. Obwohl der Tarifvertrag einen »wohnortnahen« Einsatz vorsehe, sähen sich viele genötigt, einen bundesweiten Einsatz in Kauf zu nehmen, erklärte ein Betroffener gegenüber ND. Etliche hätten daher »entnervt einen Auflösungsvertrag mit schlechten Konditionen unterschrieben«, so der Eisenbahner.

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