Kanada feiert einen historischen Sieg

Alex Harvey und Devon Kershaw gewinnen den Teamsprint und den ersten Titel für ihr Land

Weißes, undurchdringliches Nichts umhüllte auch gestern Nachmittag den Holmenkollen: Durch dichten, kalten Nebel liefen die Langläufer und Langläuferinnen und dass dazu auch wieder Zehntausende Zuschauer gekommen waren, war eigentlich nur zu bemerken, wenn der Stadionsprecher von Wort »Norway« sprach: Dann schallte wie auf Knopfdruck ein tosendes Jubeln durch die Langlaufarena.

Als die erhoffte Goldfeier gestaltete sich dieser Mittwoch indes nicht, denn die Gastgeber konnten ihrer Favoritenrolle im Teamsprint nicht gerecht werden – weder bei den Frauen noch in der Männerkonkurrenz. Auf der 1,3-Kilometer-Schleife, die zwei jeweils Athletinnen pro Nation im Wechsel jeweils drei Mal im klassischen Stil zu absolvieren hatten, überraschte Schwedens Ausnahmeläuferin Charlotte Kalla die Konkurrenz mit einer Attacke einen Kilometer vor dem Ziel. Aus dem skandinavischen Führungstrio konnte keiner folgen. Kalla siegte souverän, Finnland holte Silber vor Norwegen. »Ich fühlte mich stark genug, früh anzugreifen«, strahlte Charlotte Kalla, »ein wunderbarer Tag.«

Doch die Stimmung in der Arena hielt sich trotz des Frauenpatzers: Schließlich trat bei den Männern Norwegens Langlauf-Superstar an, der Mann, dessen Goldmedaille im Verfolgungsrennen der größten Zeitung »VG« jüngst acht Seiten wert gewesen war: Petter Northug. Ihm zur Seite stand Ola Vigen Hattestad, Titelverteidiger. In die Schlussrunde ging Hattestad als Zweiter hinter Finnland, auch Kanada, Russland und das deutsche Duo Jens Filbrich und Tim Tscharnke waren noch mit im Rennen um die Medaillen.

Als es auf die Zielgeraden ging, war Tim Tscharnke immer noch in aussichtsreicher Position. Er hatte sich hinter Hattestad eingereiht und spurtete um den Titel. Sollte den DSV-Langläufern endlich die erste Medaille gelingen? Nein. Hattestad war im Finish nicht mehr bissig genug, Tscharnke lief dahinter und verlor den Kampf um Bronze gegen den Russen Nikita Kriukow, der links an ihm freie Bahn hatte und vorbeizog.

Den Sieg holte sich überraschend Kanada, denn Schlussläufer Alex Harvey zeigte an der Spitze des Führungsquartetts »das beste Finish seines Lebens«, wie sein Teamkamerad Devon Kershaw später befinden sollte. Er bescherte Kanada war das erste WM-Langlaufgold überhaupt.

Frauen Teamsprint klassisch min
Gold: Schweden 19:25,0
Silber: Finnland + 0:03,3
Bronze: Norwegen + 0:04,1

7. Deutschland + 1:10,1 Böhler (Ibach), Fessel (Oberstdorf)

Männer Teamsprint klassisch min
Gold: Kanada 19:10,0
Silber: Norwegen + 0:00,2
Bronze: Russland + 0:00,4
4. Deutschland + 0:00,8
Filbrich (Frankenhain), Tscharnke (Biberau)

Kombination Einzel (Großschanze) min
Gold: Lamy Chappuis 25:31,6 (Frankreich)
Silber: Rydzek (Oberstdorf) + 0:06,7
Bronze: Frenzel (Oberwies.) + 0:07,0

15. Edelmann (Zella-Mehlis) + 1:36,7

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