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Stromrebellin
Ursula Sladek hat den hochdotierten »Goldman Environmental Prize« erhalten
Die Medien nennen sie »Stromrebellin«. Am Montagabend (Ortszeit) hat die 64-jährige Ursula Sladek aus Schönau in San Francisco den mit 150 000 US-Dollar dotierten »Goldman Environmental Prize« entgegengenommen, der als Nobelpreis des Umweltschutzes gilt. Er wird jährlich an sechs AktivistInnen aus sechs Kontinenten verliehen, die sich auf der alltäglichen Ebene für den Umweltschutz engagieren. Gerade das Engagement jener Helden und Heldinnen an der Basis, das für den Erhalt eines lebensfähigen Planeten immer wichtiger werde, gerate in der öffentlichen Wahrnehmung nur allzu leicht in Vergessenheit, meinen die StifterInnen des Preises.
Und auch Ursula Sladeks Namen hört man selten. Bekannter schon ist das Unternehmen, das die Schwarzwälderin 1998 gemeinsam mit anderen Einwohnern der 2500-Seelen-Gemeinde Schönau im Schwarzwald gegründet hatte: die Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Bis dahin war es ein harter Weg, der 1986 nach der Tschernobyl-Katastrophe mit der Gründung einer Bürgerinitiative begonnen hatte. Sladek und ihre Mitstreiter wollen den Ausstieg aus dem Atomstrom, organisieren zunächst Stromsparwettbewerbe, liefern sich später einen jahrelangen Rechtsstreit, inklusive zweier Bürgerentscheide, um den Kauf des Stromnetzes vom damaligen Eigentümer, den Kraftübertragungswerken Rheinfelden (KWR). Schließlich haben sie Erfolg. Mit der bundesweit beachteten Kampagne »Ich bin ein Störfall« und einem Streit vor Gericht erreichen sie zudem, dass die KWR ihre Forderungen von über 4,4 Millionen Euro auf knapp 1,8 Millionen senken muss.
Die über 50-jährige Ursula Sladek wird Geschäftsführerin des ersten deutschen genossenschaftlich organisierten Ökostromunternehmens. Sie baut den Kundenstamm von anfangs 1700 auf heute 100 000 aus. Mittlerweile verkauft die EWS 400 Millionen Kilowattstunden Ökostrom vor allem aus Wasserkraft. Der Jahresumsatz lag 2009 bei 67 Millionen Euro. Etablierte Unternehmen wie Schokoladenhersteller »Ritter Sport« gehören zu den Kunden.
Heute ermutigt und berät Ursula Sladek zudem Kommunen, ihr eigenes dezentrales und bürgereigenes Stromnetz nach dem Schönauer Modell aufzubauen.
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