- Wirtschaft und Umwelt
- aufgefallen
Sicher geheim?
Castortransporte ohne Vorankündigung
Wenn künftig Castoren mit Atommüll durch die Republik Richtung Gorleben rollen, wird es keine Meldung über die Route mehr im Internet geben. Bundesumweltminister Norbert Röttgen, den manche wegen seiner AKW-kritischen Töne der letzten Wochen für eine Art Grünen in der CDU halten, ist dafür verantwortlich, dass die Bevölkerung nicht mehr informiert wird. Die Ankündigungen waren von der rot-grünen Bundesregierung im Interesse von mehr Transparenz eingeführt worden.
Sicherheitsgründe seien für die Rücknahme verantwortlich, heißt es auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Fragt sich, welche Sicherheit? Wohl kaum die der Bürger. Eher wohl die »Sicherheit« vor Protesten. Denn die nach der schwarz-gelben Laufzeitverlängerung für deutsche AKW und dem Desaster von Fukushima enorm gestärkte Umweltbewegung könnte wohl die Transporte von Atommüll in das Zwischenlager Gorleben nicht mehr nur symbolisch stoppen.
Die ersten Reaktionen von AKW-Gegnern machen es wahrscheinlich, dass die Heimlichtuerei die Castorgegner eher noch motiviert. »Die Atommülldebatte kommt endlich auch in Fahrt, in Gorleben dürfen nicht weiter Fakten geschaffen werden«, meinte der Sprecher Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg Wolfgang Ehmke.
Angewiesen sind die AKW-Gegner ohnehin nicht auf die Informationen auf der BfS-Homepage. Schließlich haben sich auch in der Vergangenheit die lokalen Initiativen in mühevoller Kleinarbeit mit aktuellen Informationen versorgt. Diese Detektivarbeit an der Basis dürfte auch beim nächsten Transport funktionieren. In Zeiten moderner Kommunikationstechnologien ist das auch wesentlich einfacher geworden als in den Anfangsjahren des Protests. Zudem wird das Selbstbewusstsein einer Initiative gestärkt, wenn sie sich die nötigen Informationen selber besorgen kann. Deshalb schwächt die Heimlichtuerei nicht die Castorgegner, sondern belegt einmal mehr die Hilf- und Ratlosigkeit des Staates.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.