Der Gegner bleibt ein Rätsel

Schweden trifft heute auf den unbekannten WM-Debütanten Kolumbien

  • Oliver Händler, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

Die FIFA hat sich bestimmt etwas dabei gedacht, die gegeneinander spielenden Mannschaften in dasselbe Hotel einzuquartieren? Vielleicht will der Fußballweltverband so der Völkerverständigung einen Schubs geben. Zu bemerken ist davon noch nichts. In jenem Kölner Hotel, das die beiden heutigen Kontrahenten Schweden und Kolumbien bewohnen, wurde eigens eine »Players Lounge« eingerichtet: »all teams«, steht extra als Hinweis dahinter, wo sonst »Sweden« oder »Colombia« vermerkt wäre. Nur besucht wurde die Lounge nie. »Wir bleiben lieber unter uns«, erklärte Schwedens Linda Forsberg. Von den Kolumbianerinnen kenne man ja niemanden.

Viel Zeit für eine eventuelle Kontaktaufnahme bleibt ohnehin nicht. Denn diese WM ist eine ernste Sache. Da geht es um Fußball, nicht um Freundschaften. »Wir sind jetzt seit drei Tagen hier«, sagte Caroline Seger, Kapitän der Schwedinnen, »und außer dem Hotelbett, dem Trainingsplatz und FIFA-Terminen haben wir noch nichts gesehen. Dafür war keine Zeit.«

Selbst als die Mannschaft gestern Vormittag mal frei hatte, dachte Seger nur ans erste Spiel. »Ich war im Zimmer und habe mich vorbereitet.« Eine professionelle Einstellung der Mannschaftsführerin, der das Team jedoch glücklicherweise nicht immer folgt. Eine Gruppe um Linda Forsberg machte sich dann doch mal auf den Weg in die Stadt: »Ich will den Dom von innen sehen – bisher sind wir nur mal dran vorbeigefahren. Und dann wollen wir shoppen.«

Auch Jessica Landström ist Teil der Reisegruppe, obwohl sie Köln eigentlich kennen müsste. »Ich war beim Pokalfinale hier, aber gesehen habe ich nicht viel außer dem Stadion«, sagte die 25-Jährige vom 1. FFC Frankfurt.

Kolumbianerinnen waren nicht zu sehen. Sie mauerten sich lieber ein. Selbst auf den Internetseiten der FIFA findet sich kein Artikel über die Mannschaft. Die Pressesprecherin ist abgetaucht. Bei der strengen FIFA-Organisation wäre ein gemeinsamer Bummel mit den Schwedinnen ohnehin schwierig. Jede Mannschaft hat eigene Reisebusse und Fahrer, mit denen jeder Ausflug durchgeplant wird.

Dabei wäre ein bisschen Small Talk ganz angebracht. »Wir wissen nicht sehr viel über die Kolumbianerinnen«, muss Seger zugeben, auch wenn ein schwedischer Scout in den vergangenen Monaten mit den Südamerikanerinnen mitgereist war und deren Spiele beobachtet hatte. »Das wird schon reichen. Am Ende ist es doch nur ein Fußballspiel, dass wir irgendwie gewinnen müssen.«

Zuversichtlich sind Schwedens Spielerinnen ausnahmslos. »Wir gehen in jedes Spiel mit der Einstellung, es gewinnen zu wollen«, sagte Linda Forsberg. »Wir haben eine starke Mannschaft, eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen, die schon viele große Turnierspiele erlebt haben.«

Das können die Kolumbianerinnen nicht von sich sagen. Das heutige Spiel in Leverkusen wird ihre Premiere bei Weltmeisterschaften oder Olympia. Keine Spielerin im Kader hat die Marke von 30 Länderspielen überschritten. Auch sie hätten also vom Erfahrungsaustausch profitieren können. Spätestens um 15 Uhr werden sich die Teams heute doch begegnen. Auf dem Fußballplatz. Völkerverständigung hin oder her, am Ende zählt bei einer WM nur das.

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