Mehr Geld für Gebäudereiniger
Ost-West-Lohnangleichung bis 2019 beschlossen / IG BAU weist Kritik von LINKE zurück
Bis zum Jahr 2019 sollen die rund 535 000 Beschäftigten im Gebäudereinigerhandwerk in Ost und West gleich viel verdienen. Bis 2013 sollen die Löhne und Gehälter in Ostdeutschland auf 84 Prozent des Westniveaus steigen. Derzeit bewegen sich die Löhne im Osten je nach Lohngruppe auf 74 bis 82 Prozent des Westniveaus.
Dem Abschluss in der Nacht zum Mittwoch in Frankfurt am Main waren fünf schwierige Verhandlungsrunden vorausgegangen. Die Gespräche standen immer wieder kurz vor dem Scheitern. Knackpunkt war die Ost-West-Angleichung, gegen die sich der Bundesinnungsverband Gebäudereinigung lange gewehrt hatte. Ursprünglich hatte die IG BAU die Angleichung bis 2015 gefordert, später auf 2017 erhöht.
Die Löhne sollen nach dem neuen Tarifvertrag, der eine Laufzeit von 22 Monaten bis zum 31. Oktober 2013 hat, in zwei Stufen steigen: im Westen über alle Lohngruppen im ersten Jahr um 3,1 Prozent, in den folgenden zehn Monaten um weiter 2,05 Prozent. Im Osten ergeben sich nach Gewerkschaftsangaben Steigerungen von 5,9 bzw. 5,4 Prozent. Der Fahrplan zur Lohnangleichung kann von beiden Parteien zum Jahresende 2015 gekündigt werden.
Am wenigsten Lohnzuwachs haben die unteren Lohngruppen zu verzeichnen, die bereits auf 82 Prozent des Westniveaus liegen. »Die Kollegen sind bereit, diesen Preis zu zahlen«, sagte IG BAU-Vorstand und Verhandlungsführer Frank Wynands. Der Abschluss sei »der erste große Schritt auf dem Weg zur Überwindung der Lohnmauer«. Die Ausbildungsvergütungen werden dagegen kräftig erhöht. Im Westen steigen sie bis Oktober 2012 um 3,7 und 2,6 Prozent und im Osten um 11,1 und 12,7 Prozent. Die Tarifparteien wollen den Abschluss wieder vom Arbeitsministerium als allgemeinverbindlich erklären lassen. Das würde einen Mindestlohn von 9 Euro West und 7,56 Euro Ost bedeuten.
Die Linksparteivorsitzende Gesine Lötzsch kritisierte, der Abschluss »zementiere« die Lohnunterschiede zwischen Ost und West. Erst 30 Jahre nach der Wende gleicher Lohn für gleiche Arbeit sei für die LINKE »nicht zu akzeptieren«, sagte Lötzsch laut Mitteilung und forderte die Bundesregierung auf, nur noch Tarifverträge als allgemeinverbindlich zu erklären, die die Gleichbezahlung beinhalteten.
»Ich bin davon völlig irritiert, weil diese Diskussion von Seiten der Linkspartei unfair ist«, sagte dagegen Peter Riedel vom IG BAU-Bundesvorstand gegenüber ND. »Einen derartigen Schulterschluss von Ost und West in der Tarifkommission habe ich bislang noch nicht erlebt.« Überdies habe er viele sehr positive Rückmeldungen von Beschäftigen aus Ost und West bekommen. »Mit diesem Kompromiss leben wir mehr als gut.« Der Abschluss setze auch ein positives Signal für andere Branchen, so Riedel.
IG BAU und Innung korrigierten zudem am Mittwoch die Beschäftigtenzahlen. Statt wie bisher angegeben arbeiteten im Gebäudereinigerhandwerk nicht rund 870 000, sondern rund 535 000 Menschen. Das dürfte daran liegen, dass viele Beschäftigte nicht unter den Tarifvertrag fielen, der nach Tätigkeitsgruppen gegliedert ist.
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