Judit Polgar setzt die Männer matt

Schach: Ungarische Weltranglisten-Erste dringt beim Herren-Weltcup unter die besten Acht vor

  • Dagobert Kohlmeyer
  • Lesedauer: 2 Min.
Judit Polgar
Judit Polgar

Beim Weltcup der Schachspieler im sibirischen Chanty-Mansijsk lehrt Judit Polgar aus Ungarn die Männer das Fürchten. Die 35-jährige Budapesterin hat auf ihrem Weg ins Viertelfinale bereits zwei Supergroßmeister aus dem Turnier geworfen. In Runde zwei besiegte sie den Armenier Sergej Movsesjan und einen Durchgang später sogar den Ersten der Setzliste, Sergej Karjakin aus Russland.

Der Schach-Weltcup wird von der internationalen Föderation FIDE im Zweijahresrhythmus als K.-o.-Turnier durchgeführt. Neben üppigen Preisgeldern ist der Wettbewerb für die Spitzenspieler vor allem als Qualifikationsmöglichkeit im neuen WM-Zyklus interessant. Die beiden Finalisten lösen das Ticket für das nächste Kandidatenturnier zur WM. Gespielt werden Miniduelle von zwei Partien. Steht es danach 1:1, fällt die Entscheidung im Tiebreak mit verkürzter Bedenkzeit.

Von den 128 gestarteten Teilnehmern sind jetzt noch 16 im Wettbewerb. In der ersten Runde erwischte es mit dem Ungarn Peter Leko einen Mitfavoriten, nach dem zweiten Durchgang musste mit Alexej Schirow (Spanien) ein ehemaliger WM-Finalist die Koffer packen. Großmeister Daniel Fridman, der einzige deutsche Starter, schaffte es bis in Runde zwei, wo er dem starken Aserbaidshaner Shakryar Mamedjarow im Stechen unterlag.

Judit Polgar hingegen zeigte bislang keine Schwächen. In die Verlängerung musste sie noch nicht. Während die amtierende Frauen-Weltmeisterin Hou Yifan aus China schon frühzeitig ausschied, beherrschte die Ungarin ihre Gegner souverän. Im Viertelfinale spielt sie jetzt gegen den Kubaner Leinier Dominguez. Auch dieser Großmeister ist eine lösbare Aufgabe für die angriffslustige Schachamazone. Polgars Gegenspieler aus der Karibik brauchte zuletzt sieben Entscheidungspartien, bis er den Russen Igor Lysij bezwungen hatte. Sicher ein Vorteil für die Ungarin, die seit mehr als zwei Jahrzehnten die Damen-Weltrangliste anführt.

Weil die Schachkrone der Frauen sie nicht mehr sonderlich interessiert, spielt Judit Polgar mittlerweile ausschließlich in Herren-Konkurrenzen. Im Frühjahr gewann sie bei der Männer-Europameisterschaft in Frankreich die Bronzemedaille. Zu Hause in Budapest fiebert immer ihre ganze Familie mit. Judits Ehemann Gusztav, ein Tierarzt, sowie die beiden Kinder drücken fest die Daumen, dass sie nun den Weltcup in Russland gewinnt.

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