Der etwas andere Nazi
Berliner Ku-Klux-Klan-Mann wegen Volksverhetzung verurteilt
Brav und bieder kommt er daher, der 58-jährige Peter Becker - als religiöse Persönlichkeit will er wahrgenommen werden. Er nennt sich auf seiner eigenen Internetseite »Seine Exzellenz und Reverent«, »Reverent Imperial Wizard« und firmiert als »Bischof«. Doch deshalb ist er nicht angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für einen üblen Volksverhetzer. Als Betreiber der Internet-Domain »whiteknightseuropa«, eines europäischen Ablegers des US-amerikanischen Rassistenvereins Ku-Klux-Klan, soll er Bilder ins Netz gestellt haben, auf denen ein in Flammen stehendes Keltenkreuz vor einer Flagge und im Zusammenhang mit einem Klan-Reiter zu sehen sei. Männer sind abgebildet, den Arm zum »deutschen Gruß« erhoben.
Gleichzeitig wurden zwei rassistische Fotos auf die Seite gestellt, die dunkelhäutige Menschen in schlimmer Weise beleidigen. So wird das Gesicht eines entstellten dunkelhäutigen Menschen gezeigt mit der Unterschrift »Das Gesicht der Syphilis«. Auf einem anderen Foto werden Dunkelhäutige als Kannibalen verunglimpft. Die Bilder in Verbindung mit dem Text sollen suggerieren, bei dunkelhäutigen Menschen handele es sich um minderwertige Wesen, sagt die Staatsanwaltschaft.
Schon einmal stand der »Reverent« deshalb vor Gericht, doch das Verfahren wurde unterbrochen, weil der Richter um weitere Beweise nachsuchte. Gestern nun der zweite Anlauf. Becker wiederholte seine Erklärung, nicht der Betreiber dieser Seite zu sein. Das Ganze sei ein Komplott gegen ihn, um ihn als Bischof und Priester zu diskreditieren. Sein Anwalt Wolfram Narath, der auch NPD-Größen verteidigt, ging in seinem Plädoyer noch ein Stück weiter: Hinter diesen Machenschaften stecken die LINKEN. Sie hätten nicht nur Anzeige gegen seinen Mandanten erstattet, sie würden zu allen schmutzigen Mitteln greifen, um den hochanständigen Würdenträger einer freien Kirche zu diskreditieren.
Doch die Beweisaufnahme bringt es Stück für Stück ans Tageslicht: Becker ist der, der die Seite »whiteknightseuropa« bis zu der von ihm veranlassten Löschung betrieben hat. Die Aussagen der Kriminalpolizisten, die sich mit dem Fall intensiv beschäftigten, lassen keine Zweifel an der Täterschaft des »Reverents« aufkommen. Eine Hausdurchsuchung im September 2009 brachten nicht nur Nazi-Devotionalien und Ku-Klux-Klan-Kitsch ans Tageslicht - die Computer waren rechtzeitig beiseite geschafft worden. Doch der E-Mail-Verkehr, Rückfragen beim Internet-Betreiber und die bezahlten Rechnungen für die Seite weisen auf Becker.
Ein Zeuge berichtete von einem getarnten nächtlichen Treffen im Wald mit dem Becker-Klan. Eigentlich hatte er Interesse an dem rassistischen Geheimbund, doch als er merkte, dass er nur abgezockt werden sollte, machte er einen Rückzieher.
Für den Richter war die Aussage vom Geistertreffen ein zusätzlicher Beweis der menschenverachtenden Gesinnung des »Reverents«. Er verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 3600 Euro und nannte Beckers Aktivitäten im Internet »Rassismus auf niedrigstem Niveau«.
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