Mit Fessel in die Erfolgsspur

Die Skilangläuferinnen starten am Wochenende in Norwegen in die Saison - ohne Evi Sachenbacher-Stehle

  • Erik Roos, SID
  • Lesedauer: 3 Min.

Die vier Wörter auf ihrer Homepage sind knapp, aber eindeutig. »No events to show«, keine Starts geplant also, lässt Skilangläuferin Evi Sachenbacher-Stehle in ihrer ansonsten verwaisten Termin-Rubrik wissen. Noch ist offen, wann und wo die einstige »Gold-Evi« in die Loipe zurückkehrt - derzeit sieht es nach Januar aus. »Das werde ich kurzfristig und in Abstimmung mit Bundestrainer Jochen Behle entscheiden«, sagt die 30-Jährige aus Reit im Winkl vor dem Weltcup-Auftakt am Wochenende im norwegischen Sjusjöen.

Die ungewöhnliche Pause der zweimaligen Olympiasiegerin hat zwei Gründe: den »verteufelten« vergangenen Winter und die bevorstehende Saison ohne echtes Großereignis. »Ich möchte das Zwischenjahr zur intensiven Vorbereitung auf die WM 2013 und die Olympischen Winterspiele 2014 nutzen. Diesen Zielen ordne ich mein Training und meine Wettkämpfe unter«, sagt Sachenbacher-Stehle.

Abgesegnet hat den verspäteten Einstieg Bundestrainer Behle, der mit Sachenbacher-Stehle in vergangenen Jahren nicht immer einer Meinung war. Das sieht nun anders aus. »Evi hat uns in ihrer Karriere viele positive Resultate beschert. Daher kann man auch mal Ausnahmen machen«, sagt Behle, der um den Druck weiß: »Eine Evi wird immer an dem gemessen, was in der Vergangenheit in den Ergebnislisten stand.«

Immerhin: Gesundheitlich geht es bei Sachenbacher-Stehle aufwärts. Vergangenen Winter war sie wiederholt von gesundheitlichen Problemen gestoppt worden, zuletzt von einer Ei- und Weizen-Unverträglichkeit. »Irgendwie hatte ich die Seuche am Fuß«, sagt die Teamsprint-Olympiasiegerin, die im Gesamtweltcup nur auf dem 60. Platz landete. Ein Lichtblick war die WM in Oslo, wo sie mit zwei 13. Plätzen und Rang fünf in der Staffel für einen versöhnlichen Abschluss sorgte. An ihrer Entscheidung für eine verkürzte Saison 2011/2012 änderte das nichts.

Erstmals seit vielen Jahren gehen die deutschen Läuferinnen somit ohne richtig bekanntes Gesicht in den Weltcup. Die Lücke füllen könnte die WM-Siebte Nicole Fessel aus Oberstdorf. »Wenn Nicole gesund bleibt, wird sie den Arrivierten sicher das eine oder andere Schnippchen schlagen«, sagt Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes. Die 28-Jährige entwickelte sich im vergangenen Winter von der reinen Sprintspezialistin zur Allrounderin und kam erstmals auf das Podest. Fessel selbst peilt eine »gute Platzierung im Gesamtweltcup und bei der Tour de Ski« an.

Fessels Leistungssprung soll gleichzeitig »Vorbild für die anderen, teilweise sehr jungen Sportlerinnen« sein, sagt Pfüller: »Es muss unser Ziel sein, den Anschluss nach oben zu realisieren.« Angesprochen fühlen dürfen sich die erst 22 Jahre alte Denise Herrmann (Oberwiesenthal), die überraschend den Sprung zur jüngsten WM schaffte, und Hanna Kolb (20/Buchenberg) sowie die etablierten Steffi Böhler (30/Ibach) und Katrin Zeller (32/Oberstdorf).

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