Schmerzvolles Comeback
Jewgeni Pluschtschenko glänzt beim ersten Auftritt der Eiskunstlauf-EM in Sheffield, quält sich aber mit Knieproblemen
Sein Kürkostüm war schweißnass, er atmete schwer, und dass er Schmerzen hatte, war aus seinem Gesicht deutlich herauszulesen. »Es ist schwer, ich bin jetzt 29«, sagte Jewgeni Pluschtschenko ungewohnt leise und ohne jede Spur von Koketterie. Bei seinem ersten Comeback vor zwei Jahren hatte der Olympiasieger noch über sein fortschreitendes Alter gewitzelt, nach der Qualifikation bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Sheffield hingegen war ihm der Spaß sichtlich vergangen.
Das Knie schon viermal operiert, die völlig verkrampfte Nackenmuskulatur erst kurz vor der Kür mit vier Injektionen gelockert - dennoch war der blonde Russe Profi genug, sich seine gesundheitlichen Probleme zumindest auf dem Eis nicht anmerken zu lassen. Routiniert spulte Pluschtschenko sein Tango-Programm ab, ein vierfacher Toe-Loop und zwei dreifache Axel inklusive. Immer mit der Angst im Hinterkopf, es könnte wieder etwas kaputtgehen in seinem geschundenen Körper.
Knie-OP Nummer fünf in München ist bereits fixiert, angesichts seiner schon chronischen Probleme denkt der neunmalige russische Meister quasi nur noch von Sprung zu Sprung. Pluschtschenko: »Im Training fühlte sich der vierfache Toe-Loop wie ein Schuss ins Bein an. Es ist nicht leicht, locker zu bleiben, wenn man nicht wirklich gesund ist.« Und so ist auch noch längst nicht sicher, dass der sechsmalige Europameister bei den WM Ende März in Nizza an den Start gehen wird.
Der St. Petersburger, dessen erstes Comeback vor knapp zwei Jahren mit Olympiasilber in Vancouver endete, muss mittlerweile nahezu rund um die Uhr medizinisch betreut werden. »Er wirkte freundlich, aber ein Gespräch mit ihm war nicht möglich. Immer war ein Physiotherapeut um ihn herum, fast wie ein Wachhund«, berichtete der deutsche Vizemeister Paul Fentz aus Berlin, der sich als Vierter zusammen mit Pluschtschenko für das morgige Kurzprogramm qualifizierte.
Im Schatten von Pluschtschenkos starken 157,52 Punkten verdarb sich Fentz (107,92) eine bessere Platzierung durch einen Sturz beim dreifachen Lutz, den Rittberger sprang er nur doppelt. »Es war eine Mischung aus Nervosität und Vorfreude, die ich erst einmal verarbeiten musste«, sagte der 19-Jährige, dessen Berliner Klubkollege und nationale Titelträger Peter Liebers direkt für das Kurzprogramm qualifiziert war.
Zuvor hatten die Berliner Eistänzer Tanja Kolbe und Stefano Caruso trotz eines Sturzes ebenfalls die Qualifikation überstanden. Platz sechs reichte für das heutige Kurzprogramm.
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