Kita oder Sparvertrag?
Stefan Otto meint, ich Sachen Betreuungsgeld hat sich die Koalition von der Chancengleichheit verabschiedet
Wie unnötig das Betreuungsgeld ist, das zeigt die von der Koalition ausgehandelte Bildungskomponente. Wer sich das Geld nicht auszahlen lässt, sondern einen Sparvertrag für das Kind abschließt, soll zu den monatlichen 150 Euro einen weiteren Zuschuss von 15 Euro erhalten. Angespart solle das Geld später einmal für die Ausbildung verwendet werden oder für ein Auslandsstudium, erklärte der Bildungssprecher der Union, Albert Rupprecht. Das Betreuungsgeld soll demnach zu einem Standortvorteil auf dem umkämpften Ausbildungsmarkt führen.
Dies offenbart, dass sich die Koalition von dem gesellschaftlichen Anspruch auf eine Chancengleichheit bereits verabschiedet hat. Sollte die Möglichkeit, einen guten Abschluss zu erreichen, nicht allen Schülern offenstehen? Oder die Möglichkeit zu studieren und Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Das Geld der Eltern sollte dabei keine maßgebliche Rolle spielen. Auch dann nicht, wenn es mit Hilfe von öffentlichen Mitteln angespart werden kann.
Nicht nur deshalb setzt das Betreuungsgeld falsche Anreize. Für die Entwicklung von Kleinkindern ist der Besuch eines Kindergartens wichtig. Im täglichen Umgang mit Gleichaltrigen lernen sie nicht nur zu sprechen, sondern bilden auch soziale Kompetenz aus. Somit legt die Kitazeit eine Basis für ihren weiteren Lebensweg. Und die hilft ihnen mehr als das angesparte Betreuungsgeld.
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