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Pausenlauf
Kleider machen Leute, und dieses gelbe Leibchen, das mir Pressechef Jiri aushändigt, macht mich zu einem viel wichtigeren Menschen. Die Aufschrift »Team« verwandelt den Journalisten in ein Mannschaftsmitglied, das auf den WM-Strecken von Nove Mesto Skilaufen darf. Also auf in die Vysocina Arena.
Am Start klappt die 1:1-Technik, wie in der Skischule geübt. Da überholt mich der russische Trainer Pawel Rostowzew. Früher kämpfte er gegen Frank Luck und Sven Fischer, heute gegen mich. Nun gut: Kämpfen ist übertrieben. Er unterhält sich nebenbei mit zwei ukrainischen Wachsern, die Ski für ihre Athleten testen. Die haben offensichtlich besseres Material als ich.
Den ersten Berg laufen Rostowzew und Co. hinauf, ich kraxle. Gleitphasen sind Mangelware. Im Tunnel wird’s zwar flacher. Doch danach erst richtig steil. Bin ich falsch abgebogen und auf dem Aufsprunghang der nahen Sprungschanze gelandet? Erst mal Pause machen. Zweimal in nur 50 Metern.
Der deutsche Trainer Mark Kirchner läuft vorbei. Er schaut, als habe er nie einen lahmeren Teambetreuer gesehen. Hoffentlich erkennt er mich morgen nicht wieder, wenn ich ihn frage, warum seine Athleten wieder so langsam waren.
Erste Abfahrt. Lieber nur im Schneepflug runter. Ein Sturz vor den Profis ist unbedingt zu vermeiden. Nach fünf Sekunden Erholung geht es wieder bergauf. Wieder steil, wieder Pausen. Das tschechische Essen war zu schmackhaft, zu billig, zu fett.
Die zweite Abfahrt ist länger und anspruchsvoller. In den Kurven halte ich mich gerade noch auf den dünnen Brettern, und im zweiten Tunnel wird es richtig schnell. Ich fühle mich endlich weltmeisterlich. Doch es folgt noch ein Berg und noch drei Pausen - erbärmlich. Mark Kirchner überholt mich wieder. In seiner zweiten Runde!
Das Ziel ist erreicht. 15 Minuten für 2,5 Kilometer. Die Brasilianerin Jaqueline Mourao brauchte für keine ihrer drei Sprintrunden mehr als acht Minuten. Mein Respekt vor ihr und den anderen Athleten könnte nicht größer sein. oh
Das Video zum Streckentest: telly.com/2BI1VF
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